Mein 40. Geburtstag

40 km Lauf zum Geburtstag40 Kilometer am 40. Geburtstag! Für manche mag dies ein völlig bescheuertes Vorhaben sein, für mich dagegen war es mein Geburtstagsgeschenk für mich. 🙂

An einem Geburtstag verbringt man die Zeit eigentlich damit, gemütlich den Tag zu erleben und vielleicht Kuchen zu essen – eher nicht aber damit, freiwillig 40 Kilometer zu laufen. Da mein Geburtstag allerdings auf einen Montag fiel, hatte ich schon Wochen zuvor den Gedanken im Kopf, an diesem Tag beinahe einen Marathon zu laufen – einfach mal so.

Ein Training dafür hatte ich nicht gemacht aber ich war mir ziemlich sicher, dass ich das auch nicht brauchen würde. Schließlich bereitete ich mich auf den Brockenlauf vor, sodass dieses Training locker dafür ausreichen sollte. Der Brockenlauf mit knapp über 26 Kilometern sind ja “nur” 14 Kilometer weniger, demnach ein leichtes Spiel für meine Beine. So dachte ich… Klar, ohne einen gesunden Optimismus bin ich selten unterwegs, wobei ich mich bisher immer sehr realistisch eingeschätzt hatte. Ich verfolgte Tage zuvor das Wetter und desto näher mein Geburtstag kam, desto wärmer sollte es werden; es wurden zuletzt knapp 30°C und strahlender Sonnenschein vorausgesagt.
Geplant hatte ich natürlich sehr früh zu starten. Nur leider kam ich mal wieder viel zu spät ins Bett, daher wurde nichts aus einem frühen Start und der Spaß begann erst kurz nach 10 Uhr.

40 km LaufRein körperlich fühlte ich mich echt gut und topfit, andernfalls hätte ich mich auch nicht auf diese Reise begeben. Was meine Verpflegung anging, so nahm ich tatsächlich vier Kohlenhydratgels mit, damit ich einem Einbruch zumindest etwas entgegenwirken konnte. Mein Kalorienverbrauch ist nicht zu unterschätzen, denn selbst mein geplanter Pulsdurchschnitt von 130 Schlägen könnte mich platt machen – zumindest bei dieser Hitze. Was die Wasserversorgung anging, so war ich sehr zuversichtlich, dass mir 0,75 Liter reichen würden. Wie bescheuert muss man eigentlich sein? Im Nachhinein betrachtet weiß ich gar nicht mehr, wie ich darauf kam, dass mir dieser Tropfen auf dem heißen Stein reichen sollte. Dabei weiß ich doch schon lange, dass ich bei Hitze etwa 1 kg Gewicht pro Stunde verliere. Zum Glück hatte mich Janine begleitet und konnte mich zwischendurch mit neuen Getränken versorgen. Andernfalls wäre ich wohl nicht durchgekommen.

Die ersten 16 Kilometer konnte ich meinen Puls tatsächlich unter 130 halten. Vom 17. bis zum 27. Kilometer bewegte ich mich schon im Bereich 130-140 und mir wurde klar, dass das noch höher gehen würde, wenn ich die Pace von etwa 6 min/km halten wollte. Die Hitze machte mir echt zu schaffen und mir tropfte der Schweiß im Sekundentakt vom Gesicht. Für mich allerdings ein gutes Zeichen, denn damit wußte ich, dass mein Körper noch genug Wasser zur Verfügung hatte. Bei Kilometer 33 erreichte ich vorerst meinen höchsten Durchschnittspuls pro Kilometer von 146 und ich dachte mir: Alex, so wirst du das nicht durchhalten. Die Temperatur stieg immer höher und damit auch der Puls.

40 km LaufFür den einen oder anderen mag das ja vielleicht komisch klingen, schließlich waren es nur noch lächerliche sieben Kilometer bis zum Ziel. Dennoch spürte ich, wie mir die Energie immer schneller aus dem Körper flog. Nun musste mich Janine schnell mit Wasser versorgen. Wähnend sie in einem Laden neues Wasser besorgte, drosselte ich vorsichtshalber die Pace um ca. 2 Minuten, damit ich mich auf den nächsten 2-3 Kilometern etwas erholen konnte. Mir war klar, dass ich diese Zeit nicht mehr aufholen würde und mein geheimes Ziel, dieses Vorhaben in genau 4 Stunden zu erledigen, verabschiedete sich langsam. Bis dahin war ich genau mit Pace 6 min/km unterwegs. Schuld war natürlich diese gnadenlose Hitze, die Sonne, die brutal auf mich einbrannte. Auf den letzten fünf Kilometern fühlte ich mich fast wie eine Rosine und das trotz des vielen Wassers.

10, 20, 30, 35 km...Das Reduzieren der Pace hatte enorm geholfen, sodass ich die letzten Kilometer doch noch ganz gut laufen konnte. Ich überlegte tatsächlich, ob ich die letzten drei Kilometer noch einmal Vollgas geben sollte, verabschiedete mich aber ganz schnell von diesem Gedanken. An meinem Geburtstag wollte ich das dann doch nicht riskieren, denn am Abend wollte ich noch ein kleines Eis genießen und dafür sollte ich schon noch etwas fit sein.

In Gottenheim war es dann soweit: Ich rannte dem 40. Kilometer entgegen! Ich nahm meine GoPro und filmte die letzten Meter meines kleinen Abenteuers:

Nachdem ich damit fertig war, zog ich nach wenigen Metern meine Schuhe und Socken aus und wollte dann nach Umkirch gehen. 🙂 Wie witzig! Noch so eine Idee, bei der man merkt, dass die Hirnaktivität nicht mehr so gut funktioniert. Nach 40 Kilometern Belastung auf den Füßen auch noch barfuß eine etwa 4 Kilometer lange Strecke gehen zu wollen ist schon mehr als irrsinnig. Heute würde mich aber trotzdem interessieren, an welchem Leitpfosten ich mich geklammert hätte. 🙂

Muskeln, Knochen, Sehnen – alles war ok und ich hatte keine Schmerzen, nur der Kreislauf wollte einfach nicht mehr so recht. Ich musste mich ein paar Minuten sitzend auf dem Radweg erholen, bevor ich mich barfuß auf den Weg machen konnte.

40 km LaufKurze Zeit später schickte ich Janine aber doch mit dem Fahrrad zurück, damit sie das Auto holt. Mein seltsam schwebender Zustand war mir nicht ganz geheuer. Vielleicht war die Sonne doch etwas zu viel.
Während ich mich bis zur Brücke schleppte, die noch so 300 Meter entfernt war, fühlte ich mich ganz schön schwach. Mir war nicht klar, wie weit 300 Meter barfuß sein können.

Später dann, frisch geduscht und wieder weitgehend hergestellt, zog es mich erneut aufs Sofa, denn mir fehlte eindeutig Energie im Körper. Ich stopfte alles in mich hinein, was ich finden konnte. Es waren eigentlich nur süße Sachen, aber die halfen mir sehr schnell wieder fit zu werden. 🙂

Die 40 km-Strecke

Die Strecke

Hier noch die wichtigsten Daten des Laufes:
40 km, Pulsdurchschnitt: 134 s/min, 3718 kcal, 4:10 Std.
Gewicht vor dem Lauf: 92,2 kg
Gewicht nach dem Lauf: 89,9 kg

Der Gewichtsverlust lag noch über 2 kg, obwohl ich während des Laufes und danach mindestens 3 Liter Wasser getrunken hatte. Daran könnt ihr sehen, wie viel Anstrengung solch ein Lauf bedeutet – zumindest für mich. 🙂

Ich bin voll zufrieden mit diesem Lauf, auch wenn es mich danach ganz schön zerbröselt hatte. Diese Distanz ist ohne ausreichendes Training für mich eben doch (noch) nicht ganz so einfach wie ich dachte. Macht aber nichts, denn so ist es eine weitere Erfahrung, die mich wieder ein Stück weiter bringt.

Und weil ich am Abend wieder aufrecht stehen konnte, gab es noch in gemütlicher Runde ein Geburtstags-Eis! 🙂

Sportliche Grüße
Alex

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