365 Tage nur „Gras und Steine“ oder anders gesagt: mein erstes Jahr als Veganer

Alles begann vor knapp einem Jahr in meinem Garten, bei schönstem Sommerwetter und einem Buch was ich von einem Bekannten ausgeliehen hatte.

Das sich bei mir eigentlich immer viel um die Ernährung gedreht hat, ist vielen bekannt und letztes Jahr habe ich mich mit vielem neuen auseinander gesetzt. Unter anderem war „Low- Carb“ ein Thema, allerdings stellte ich schnell fest, dass das für mich nichts ist. Nach zwei Tagen hatte ich Entzugserscheinungen in Form von schlechter Laune und Kopfweh.

Das erste was man bei einer Diät verliert, ist die gute Laune! 

Wobei es ja eigentlich keine Diät werden sollte, sondern eine nachhaltige Ernährungsumstellung die meine gesundheitlichen Probleme „heilt“ und mir beim Sport nicht die Energie raubt, sondern gibt.

So der Plan… Die Umsetzung war eine andere und wie oben geschrieben, habe ich bereits vieles probiert und bin immer nach einer Weile gescheitert.

Dann kam mein Bekannter mit besagtem Buch um die Ecke.
Das Buch hieß:  „No need for meat- oder Vegan ist, wenn man trotzdem lacht“ von Bär Läsker.

Ich gebe zu, bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich noch nie wirklich mit dem Thema Veganismus beschäftigt, eher mal allgemein mit vegetarischem Leben. Das Buch sollte mir eigentlich auch eher Ideen liefern, für neue Rezepte und ein bisschen Ernährungskunde über bestimmte Zusatz- und Inhaltsstoffe, die gerade für Sportler wichtig sind und mir über meine gesundheitlichen Probleme hinweg helfen sollten.

Aber das Buch hat mich von der ersten Seite an so vom Hocker gerissen, dass ich es nicht mehr dauerhaft weglegen konnte und anfing mich näher mit dem Thema „Vegan leben“ zu beschäftigen. Das Buch ist nicht wie ein typisches Ernährungsbuch geschrieben, es will niemanden bekehren und auch niemanden todschlagen mit Sätzen ala „…. Fleisch ist ungesund. Für dein Fleisch müssen Tiere leiden und sterben“. Es zeigt eher die andere Seite und den Weg den Bär Läsker durch die vegane Ernährung gefunden hat, abzunehmen und seinen Gesundheitszustand zu verbessern. Es zeigt auf wie das Umdenken in seinem Kopf stattgefunden hat und wie er es in sein Leben integriert hat und auch wie sein Umfeld reagiert hat.

In dem Buch schreibt Bär Läsker auch über die viel berüchtigte „China- Studie“ und wie er darüber denkt. Auch darüber habe ich mich danach im Internet informiert. Das Buch darüber habe ich allerdings nicht gelesen, mir haben ehrlich gesagt die Informationen aus dem Netz gereicht um meinen Entschluss noch zu erhärten und diesen in die Tat umzusetzen.

Es ist wirklich so, dass wenn man mal anfängt sich über seine Ernährung und vor allem über DAS was man täglich isst und wo es herkommt, Gedanken zu machen- erfolgt bei vielen wohl ein großes „ahhhh und ohhhh “ Erstaunen im Kopf. Aber wohl die wenigsten ziehen daraus ihre Schlüsse und ändern etwas.

Auch bei mir ging die Änderung nicht von heute auf morgen – vom Allesesser zum Veganer in 24h… Was ich jedoch sofort von meinem Speiseplan gestrichen habe, war Wurst und Fleisch. Da unser Frauen-Haushalt in der Regel über einen relativ gut gefüllten Kühlschrank verfügt und ich es nicht übers Herz gebracht habe, alles wegzuschmeißen, habe ich die Dinge immer Stück für Stück eingetauscht. Als der Käse alle war, habe ich einfach keinen neuen gekauft. So auch beim Quark, Joghurt und immer so weiter. So fiel mir der Verzicht auf Quark und Jogurt absolut nicht schwer. Was die Milch betroffen hat, musste ich mich erstmal durch die Sorten testen um die richtige für mich zu finden.

So zogen Woche um Woche immer mehr andere Sachen in unseren Kühlschrank und auch der Vorratsschrank änderte sein Aussehen.

Ich habe vorher schon ausschließlich mit Dinkelvollkornmehl gebacken, aber nun standen da auch Sojamehl, Buchweizenmehl, es gab keine herkömmliche Gelatine mehr, das künstlich gesüßte Müsli wurde gegen Haferflocken getauscht, Quinoa und Amaranth hielten Einzug und auch die Auswahl an Gemüse und Obst wurde größer.

Anfangs habe ich mich nicht oft an die verschiedenen Fertigmischungen für Bratlinge oder auch an Tofu herangetraut. Was sich jedoch bald änderte, als ich einfach mal ein paar ausprobiert habe.

Was mir am Anfang meines Veganer-seins auffiel war, das kochen mehr Zeit beanspruchte als vorher. Da ich natürlich auch jetzt nicht auf Fertigessen und Tüten-Kram, den es auch in veganen Varianten gibt, zurückgreifen wollte und alles selbst gekocht und zubereitet habe, musste ich mehr schnippeln und stand auch länger in der Küche. Auch das Aussuchen der Mahlzeiten dauerte etwas länger, war ich doch noch nicht so geübt und musste mich in bestimmte Sachen erst einlesen.

Dazu kam auch, das Lara weiterhin ein Allesesser blieb und ich demnach immer zwei essen kochen musste. Natürlich schränkte sich Laras Fleischkonsum deutlich ein. Wenn es nach ihr gegangen wäre so hätte sie auch gern ganz auf Fleisch und Wurst verzichtet und wäre Vegetariern geworden (vegan fand ich für sie erstmal zu krass, im Wachstum und in der Pubertät). Da Lara aber absolut keinen Käse mag, sich auch nicht mit Bratlingen und Tofu als Alternative zu Fleisch und Wurst anfreunden konnte und Gemüse/ Salat auch nicht in den Top 3 ihres Speiseplans stehen, wäre sie meiner Meinung nach schnell in eine Unterversorgung gefallen und daher besteht ihr essen weiterhin aus guten Fleisch und Wurst vom Metzger des Vertrauens und auch viel Fisch.

Aber auch da haben wir uns schnell reingefuchst und mittlerweile gibt es ein Grundnahrungsmittel (z.B. Vollkornnudeln, Reis oder Cousous) für beide, Salat oder Gemüse als Beilage und für Lara Fleisch oder Fisch und für mich dann eben gebratenen Tofu oder Bratlinge oder einfach nur eine mega leckere Gemüsepfanne.

Sojabolognese gehört z.b. zu einem absoluten Favoriten in Laras Speise- Wunschzettel!

Das vielberüchtigte Gerücht und die Sprüche von manchen Allesessern, von wegen Veganer essen ja quasi nur „Gras und Steine“ und müssen Hunger leiden, kann ich nur absolut dementieren! Ich habe nicht einen Tag oder in einer Situation in dem Jahr Hunger gelitten und musste auf einem Grashalm kauen.

Mittlerweile gibt es in jedem Supermarkt vegane Varianten bestimmter Lebensmittel, es gibt Jogurt in pflanzlichen Ausführungen, Brotaufstriche, Eis und Fertiggerichte, Chips und sogar Quadratisch-Praktisch-Gut eine vegane Schokolade.

Ich gebe auch zu, das ich anfangs ab und zu solche Fertig-Produkte getestet habe und manchmal auch jetzt noch zu fertigen Bratlingen in der Kühltheke zurück greife wenn es mal schnell gehen muss oder wir z. B. in den Urlaub fahren und ich dort einfach nicht die Küchengeräte zur Verfügung habe oder kein Platz ist. Aber das ist eine Ausnahme und nachdem ich manche Rezepte so verkleinert habe, das ich z. B. keine Unmengen an Aufstrichen produziere die dann schlecht werden, geht das zubereiten schnell von der Hand.

Mittlerweile ist das vegane Kochen und backen schon in Fleisch und Blut übergegangen. Wir bekommen seit einem halben Jahr jede Woche eine Gemüse- und Obstkiste geliefert- mein persönliches Überraschungs-Ei der Woche. Danach was da drin ist, gestaltet sich unser Speiseplan und wir überlegen uns auch was wir mal neues ausprobieren. Ich backe vegane Kuchen und für alle Skeptiker: man schmeckt keinen Unterschied zwischen z. B. veganen Muffins und nicht veganen Muffins.

Auch jetzt im Urlaub war es für mich kein Problem in einem anderen Land zu „überleben“. Gut wir waren nur in Österreich beim Wandern, aber auch dort gab es vegetarische Gerichte in den kleinen Hütten am Berg die ich einfach ohne Käse bestellt habe und die dadurch vegan wurden oder im Supermarkt gab es ganz viele neue Sachen die ich von Deutschland noch nicht kannte.

Wenn ich an den Anfang meiner veganen Zeit zurück denke, hatte ich immer Angst wenn wir zum essen eingeladen waren oder in einem Restaurant essen gehen wollten. Soll ich denn immer nur Salat bestellen oder beim Chinesen Tofu und Gemüse essen???? Aber auch das ist überhaupt kein Problem … viele Restaurants bieten vegetarische/ vegane Sachen an. Völlig überrascht war ich an Weihnachten, als ich für eine Weihnachtsfeier in dem geplanten Lokal anrief und mich erkundigte ob es etwas vegetarisches auf der Karte gäbe und man mir sagte, sie würden für mich extra auch etwas veganes kochen. Da war ich baff und was ich dann auf meinen Tellern hatte, hat meine Erwartungen voll übertroffen.

Wenn wir eingeladen sind, dann bringe ich meistens, in Absprache natürlich, etwas zum essen mit was zum dort geplanten Essen passt oder ich helfe einfach beim Kochen mit und koche dort etwas für mich nebenbei.

Ich möchte keine Extrawurst und ich möchte auch nicht, das andere ihre Essgewohnheiten meinen anpassen müssen. Jeder darf und soll das essen was er mag und bevorzugt. Ich möchte und werde keinen zum Veganismus bekehren, das muss von jedem selbst kommen, denn es gibt für alles im Leben eine Zeit und man muss es wollen um wirklich dauerhaft etwas zu verändern.

Wie Anfangs geschrieben, habe ich wegen einiger gesundheitlicher Probleme angefangen mir über meine Ernährung Gedanken zu machen. Nachdem ich des Öfteren mit meinem Hausarzt gesprochen habe und wir auch verschiedene Medikamente ausprobiert haben. Aber nichts brachte dauerhaft den Erfolg den ich gern gehabt hätte, auch wollte ich nicht mein Leben lang irgendwelche Tabletten, Tropfen oder anderes zu mir nehmen. Und so kam ich gedanklich immer und immer wieder auf das Thema Ernährungsumstellung und recherchierte viel im Internet. Die darin beschriebenen Geschichten von anderen, egal welche Beschwerden und Einschränkungen, hatten mich positiv gestimmt und der Entschluss stand fest. Aber eben, nur die Umsetzung haperte noch, bis Ende August 2016.

Ab da startete mein neues Leben und ich kann nur sagen: Vegan ist, wenn es Dir gut geht und du voller Energie steckst! 

Meine gesundheitlichen Probleme haben sich in dem ganzen Jahr völlig eingestellt, ich habe viele neue Lebensmittel kennengelernt, ich stecke voller Energie und bin nicht mehr so erschlagen wie an manchen Tagen früher.

Was mir deutlich auffällt ist, das ich weniger Schlaf brauche als zuvor. Was meinem Training im Sommer natürlich sehr zu gute kam … Da war ein Morgenlauf um 4:50 Uhr nie ein Problem, danach war ich frisch für den Tag und die Arbeit und hatte Zeit am Nachmittag für Lara um mit ihr etwas zu unternehmen und auch um zweimal in der Woche am Abend noch eine zweite Trainingseinheit im Crossfit und Schwimmen anzuhängen.

Wie gesagt, ich habe weder Leistungseinbußen noch bin ich in irgendeiner Weise kraftlos oder antriebslos. Ich habe kurz nach meiner Umstellung auf Vegan meinen ersten Marathon gefinisht, habe im April dieses Jahres am Marathon in Leipzig teilgenommen und werde Mitte September wieder in Karlsruhe den Marathon laufen.

Und mir geht es richtig gut dabei!

Auch das Gerücht: Veganern würden viele Vitamine fehlen und sie müssten haufenweise Tabletten nehmen, kann ich dementieren. Mein Blutbild ist genauso gut wie vorher und ich habe weder einen Eisenmangel noch fehlt mir etwas anderes. Ich substituiere B12 in Form von 1 Tablette täglich und ich nehme zusätzlich noch etwas für den Säure-Basen-Haushalt. Das ist alles! Mein Arzt ist zufrieden und ich bin es auch.

Jetzt hoffe ich, dass ich alle die es durchgehalten haben und meinen „kleinen“ Bericht zu meinem ersten Jahr Vegan sein bis zum Schluss gelesen haben, nicht zu sehr gelangweilt und Euch einen kleinen Einblick in mein Jahr gegeben zu haben und vielleicht probiert sich der ein oder andere ja einfach auch mal aus.

In diesem Sinne … Lasst es Euch gut gehen!

Eure Tanja

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