Brockenlauf 2015

Die Startnummer 3Der Brockenlauf – wer will schon einfach? Am 05.09.2015 war es endlich wieder soweit! Zum dritten Mal konnte ich an diesem wunderbaren Berglauf teilnehmen und auch diesmal war es unbeschreiblich!

Die Vorbereitung:
Ganz klar, mit bestimmten Trainings wollte ich es schaffen, die 26,2 km noch schneller zu bestreiten. Mein Ziel war es, 6:46 Min. schneller zu laufen und damit meine bisherige Bestzeit zu schlagen. Das Training für diesen Wettkampf hatte ich im Vergleich zu 2014 um einige Kilometer gesenkt, dennoch war ich der Meinung, dass ich erheblich effektiver unterwegs war. Gerade die letzten drei Wochen hatte ich etwas anders gestaltet. In Kilometern waren das: 46-27-5 km. Vor allem die letzte Woche war sehr ruhig, denn der letzte längere Lauf mit 15 km war genau eine Woche vor dem Brockenlauf und am Mittwoch, also drei Tage davor, absolvierte ich noch eine gemütliche 5 km-Runde.

Der Tag vor dem Wettkampf:
Ich verspürte den unheimlichen Drang, mir meine Startnummer 3 schon am Tag vor dem Wettkampf abholen zu müssen. Wie gewohnt, wurde mir dieser Wunsch auch sehr freundlich im Rathaus erfüllt. Auf dem Marktplatz wurde schon einiges für den Samstag vorbereitet. Ich schaute mich noch etwas um und wollte dann schnell wieder heim, gemütlich etwas essen und zeitig ins Bett.
Mein Essen: Nudeln mit Tomatensoße und viel Käse, also wie im letzten Jahr. Allerdings hatte ich mich auch am Tag zuvor schon ordentlich mit Nudeln versorgt, lieber mal etwas mehr, dachte ich mir. Mein Gewicht hatte sich kaum verändert, und so war ich genau so schwer wie das Jahr zuvor, wenn nicht sogar etwas schwerer. Das bereitete mir allerdings keine Kopfschmerzen, denn ich fühlte mich echt gut vorbereitet.

Wie es wohl Thorsten geht? Er hatte sich auch schon etwas länger beim Brockenlauf angemeldet und von Beginn an eine irre Zielzeit im Visier, die er später jedoch wieder zurücknehmen musste. Einige Wochen vor dem Wettkampf zog er sich beim Laufbandtraining eine Verletzung zu oder zumindest ein blödes Gefühl, welches ihn ab diesem Zeitpunkt verfolgte. Dummerweise wollte dies nicht mehr weggehen und auch am Wettkampftag verfolgte ihn ein kleiner Schmerz, der bei Belastung schlimmer wurde.
Ich sagte ihm noch, dass das natürlich die allerbesten Voraussetzungen für den Brockenlauf sind. Wie hatte ich noch in einem meiner Vorberichte geschrieben? Ein noch so kleines Wehwehchen, und der Brockenlauf wird ein Lauf durch die Hölle… oder so ähnlich.

Der Wettkampftag:
Kurz nach 7 Uhr klingelte mein Wecker und ich machte mich gemütlich fertig und mampfte genüsslich Toast mit Honig. Die Sachen waren schon gepackt und so kam überhaupt keine Hektik auf. Pünktlich um 8 Uhr war Abfahrt nach Ilsenburg.
Dort angekommen, parkte ich wie immer weit ab vom Schuss, denn nichts ist für mich schlimmer, als nach einem Parkplatz suchen zu müssen. Manchmal ist es schon interessant zu beobachten, dass gerade Läuferinnen und Läufer immer möglichst dicht an der Startlinie parken wollen.

Ein paar Minuten später waren wir auf dem Marktplatz und es war auch schon viel los. Das Wetter spielte sogar mit und es war tatsächlich angenehm. Mein erster Gang war zur Verpflegungsmeile, denn ich musste unbedingt noch etwas trinken und ein paar Stückchen Bananen zu mir nehmen. Von allem war reichlich vorhanden.

Brockenlauf 2015 - Verpflegungsstand

Es dauerte auch nicht mehr lange und wir mussten schon in die Startaufstellung. Wir waren spät dran, denn es staute sich ordentlich und wir kamen gar nicht so schnell in den abgesperrten Bereich. Hier sei auch schon erwähnt, dass die Teilnehmerzahl mit 530 Brockenläufern für die Hauptstrecke die bisher höchste war. Infolge dessen kam es wohl auch zu diesem kleinen Stau.

Brockenlauf 2015 - StartaufstellungWir hörten das bekannte Brockenlied und mit einem Lächeln sowie einer fünfminütigen Verspätung begann der Spaß!

Mein Lauf:
Die Polar V800 gestartet, der Puls bei 127! Und dabei hatte der Lauf noch gar nicht begonnen. Es war die Aufregung, der Druck, dieser Wille… ich breche meinen Rekord! Ich fühlte mich so gut, so Leistungsstark! Und es begann leicht zu regnen…

Die ersten paar hundert Meter führen im dichten Starterfeld durch Ilsenburg, bevor es ganz langsam in Richtung bergauf ging. Ich dachte mir, dass ich es wie auch die zwei Rennen zuvor mache: Puls auf 150 und versuchen zu halten. Ich schaute auf meine Pace von 5:30 min/km und dachte: Jo, das sieht gut aus.
Es dauerte natürlich nicht lange und der Puls stand zumindest zeitweise auf 160. Alles halb so wild, denn meinen Berechnungen zufolge hatte ich genug Power um die gesamte Strecke mit 160 zu laufen. Soviel zur Theorie.

Brockenlauf 2015Die erste Verpflegungsstation beim Gelben Brink nach 6,5 km. Herrlich, so ein erfrischendes Getränk, gerade weil man weiß, dass es bis nach dem Gipfel nichts mehr gibt! Nach dieser Station wird die Strecke bereits etwas härter. Diesmal schaffte ich es allerdings ohne eine Gehpause bis zum 9. Kilometer: Hirtenstieg!

Ich kämpfte mich also mit meiner Maximalgeschwindigkeit, entsprechend meinem Gewicht und Puls, bis zum Hirtenstieg. Bei der Kreuzung standen einige Zuschauer und applaudierten fleißig. Das Wetter wurde übrigens zunehmend ungemütlicher. Nebel kam auf und es wurde kälter. Ich zog noch gefühlte 50 Meter auf dem Hirtenstieg im Laufschritt durch, musste dann aber schon grinsen und wechselte in den schnellen Wanderschritt. Auch in diesem Jahr war es für mich unmöglich hier zu laufen.

Brockenlauf 2015 - HirtenstiegDie Aussicht war diesmal etwas eingeschränkt, wie man auf dem Bild erkennen kann. Bei schönem Wetter hat man hier eine herrliche Aussicht.
Ich schaute auf meine Uhr und sah eine Pace von 10 min/km und einen Puls von 163. Man kann es sich kaum vorstellen, wie sich diese drei Kilometer bis zum Gipfel anfühlen, wenn man sie nicht selbst erlebt hat.

Der Wind nahm immer mehr zu und ich hatte schon Sorge, dass ich auskühlen könnte. Jedoch hatte ich noch einen Tag zuvor ein neues Longsleeve gekauft, welches absolut perfekt war. Und mein Ohren-, Hals- und Gesichtsschutz war ebenfalls sehr passend bei diesem Wetter.

Brockenlauf 2015

Dieses Mal konnte man leider nicht schon von Weitem den Gipfel sehen, denn die Sicht war auch oben sehr eingeschränkt. Aber ich war froh, als ich das Warnschild für die Brockenbahn sah und ab da war klar: gleich bin ich oben! Ein kurzer Moment noch, dann geht’s wieder in den Laufmodus!

Von meinem Gipfelsturm hier ein kleines Video:

Auf dem Gipfel waren aufgrund des Wetters nicht ganz so viele Zuschauer. Sogar die Brockenhexe hatte sich hinter dem großen Stein versteckt, aber sie hatte mich trotzdem erwischt und scheuchte mich wieder hinunter 🙂

Brockenlauf 2015Tja, die 12,1 km hatte ich also geschafft! Jetzt ging’s fast nur noch bergab! Und so beschleunigte ich auf eine geplante 4er Pace. Volles Rohr hinab, zumindest mal bis zur zweiten Verpflegungsstation bei Kilometer 13,3. Ein kühles Getränk gegriffen, getrunken und weiter. Ich wollte so wenig Zeit wie möglich an den Stationen liegen lassen.
Kurze Zeit später erreichte ich auch schon die Verpflegungsstation Eiserner Handweiser bei Kilometer 15,9.
Hier wäre ich fast durchgelaufen, entschied mich aber im letzten Moment doch noch zu einem Becher. Leider griff ich einen Becher Bier. 🙂 Für mich eine ganz ungewohnte Erfahrung. Ich kippte es trotzdem hinunter – besser als gar keine Flüssigkeit, denn Umdrehen kam überhaupt nicht in Frage!

Danach ging es weiter entlang der versteckten Ilse zur letzten Verpflegungsstation. Teilweise führte die Strecke richtig hart bergab und wie in den Jahren zuvor musste ich meine Masse abbremsen um nicht die Kontrolle zu verlieren.

Nach der letzten Verpflegungsstation bei Kilometer 19,6 folgte dann die Härteprüfung. Ab hier zeigte sich, ob ich noch genug Power hatte um meine Geschwindigkeit zu halten. Nach einem Blick auf die Uhr dachte ich mir: das wird mein Rekord! Auf dem Gipfel war ich schon schneller als das Jahr zuvor, also sollte ich mein Ziel wie geplant erreichen können.

Brockenlauf 2015

Man glaubt ja gar nicht, wie anstrengend die letzten fünf Brockenlauf-Kilometer sein können. Ich habe tatsächlich alles gegeben. Das war so dicht am Limit, dass ich immer wieder leicht die Speed herausnehmen musste, denn unter einer 4er Pace war für mich einfach nicht machbar. Der Puls sprang ständig in gefährliche Regionen und es fühlte sich so an, als erreichte ich zeitweise meinen Drehzahlbegrenzer. Aber auch wenn ich das Gefühl eines Einbruchs hatte, so konnte ich die letzten fünf Kilometer doch noch mit einer Durchschnittspace von 4:30 min/km laufen!

Brockenlauf 2015 - Zieleinlauf

Das Gefühl, die letzten Meter des 26,2 km langen Brockenlaufes auf der Zielgeraden zu laufen, ist einfach gigantisch! Vor allem dann, wenn man seine Zielzeit nach der letzten Kurve sieht und feststellt, dass man mehr als 10 Minuten schneller war als beim letzten Mal!

Nach dem Lauf war ich nicht so platt wie letztes Jahr. Das Wetter wird wohl einen größeren Teil dazu beigetragen haben, denn zum Laufen war es prima.

Trotzdem: Um nicht wenige Minuten später wieder in die Knie zu sinken, aß ich gleich zwei Protein- und Kohlenhydratriegel, mehrere Bananen und trank ausreichend. Meine Beine waren natürlich ziemlich fertig und jeder Weg wurde zunehmend anstrengender.

Nach einer kurzen Erholungsphase gab es sogar noch etwas „auf“ die Ohren. Mit dem Auftritt der Harzer Pipes & Drums wurde nicht zu viel versprochen und sie spielten noch einige Lieder für die Finisher.

Brockenlauf 2015

Wo war eigentlich Thorsten? Seine Befürchtung, dass es sehr schwer werden würde, hatte sich bewahrheitet. Er benötigte schwere 3:17 Std. und hatte tatsächlich auf dem Gipfel überlegt, den Wettkampf abzubrechen. Die Schmerzen waren stark, die Waden hatten zugemacht. Ich meine, es ist Kampfgeist, jedoch auch ganz dicht am Leichtsinn! Den Brocken rennt man nicht einfach mal so. Man sollte einigermaßen fit sein und zumindest vor dem Lauf keine Schmerzen haben. Er hat es dennoch durchgehalten, auch wenn er natürlich nicht zufrieden ist. Nächstes Jahr will er es besser machen 🙂 Trotzdem hat er den Brocken geschafft und das muss man auch erstmal machen!

Der Brockenlauf 2015 war wieder eine Klasse für sich! Hier stimmt einfach alles und es war mir wieder eine Freude ein Teil davon gewesen zu sein.
In diesem Jahr geht ein besonderes Lob allen Verpflegungsstationen und Streckenposten, die bei der Kälte stundenlang mit so einer Freundlichkeit alle Läuferinnen und Läufer versorgt bzw. gelotst haben. So viel Witzigkeit und Hingabe sieht man auch nicht immer!

Am Ende des Tages habe ich Martin, den Organisationsleiter des Brockenlaufs, doch noch für ein Foto erwischt. Danke noch einmal für die Startnummer 3!

Brockenlauf 2015

Ich freue mich schon auf nächstes Jahr, wenn ich wieder für diese einmalige Strecke meine Laufschuhe binden kann. Jetzt, vier Tage nach dem Lauf, klingt sogar mein Muskelkater langsam ab.

Zeit: 2:26:23 Std. – 26,2 km – 890 HM (-10:22 Min. – 2014)

Weitere Bilder des Events sind auf www.brockenlauf.de und auf unserer Facebookseite zu sehen.

Bis zum nächsten Mal!

Sportliche Grüße
Alex

0

2 Gedanken zu „Brockenlauf 2015

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.