Brockenlauf 2021

Endlich war es wieder soweit: Ein richtiger Wettkampf mit vielen Menschen um einen herum! Ein Jahr, 8 Monate und 5 Tage habe ich nun darauf gewartet – präzise: 613 Tage! Dass es nach einer so langen Zeit der 50. Brockenlauf war, freut mich besonders.

Das freut mich deshalb so, weil dieser Lauf mein Lieblingslauf ist. Die mich kennen und bereits die älteren Berichte dieses Laufes gelesen haben, wissen das. Er ist etwas besonderes und deshalb war ich 2020 schon etwas traurig, dass er abgesagt werden musste. Das wiederum hielt mich aber nicht davon ab, die Strecke damals trotzdem zu laufen. Seit dieser Coronakriese war bei mir das Training allerdings so eine Sache. Zugegeben, mir Ziele zu setzen fiel mir schwer, weil ich so gar keinen Reiz sah, mich auf irgendetwas vorbereiten zu müssen. Ich hatte auch überhaupt keine Lust, mich auf etwas vorzubereiten und dann alleine volle Pulle zu laufen oder einen dieser virtuellen Läufe zu absolvieren. Das kann man vielleicht mal bei einem kleinen Lauf machen, aber so ab Halbmarathon würde mir das erst recht keinen Spaß machen. Da fehlt mir das drum herum mit der passenden Atmosphäre. 

Also versuchte ich einfach, mein Fitnesslevel auf Stand zu halten. Hauptsache, ich wäre jederzeit in der Lage, einen Halbmarathon zu laufen. Wenn ich die Jahre 2019 und 2020 vergleiche, hatte ich im letzten Jahr nur 100 Laufkilometer weniger. Sozusagen hatte ich es doch geschafft, annähernd das Pensum zu halten, auch ohne Wettkämpfe. Allerdings wurden die Strecken kürzer und ich hatte keinen einzigen 30 Kilometer Lauf gemacht. 

Und so folgte ich den Informationen zum Brockenlauf. Und auch wenn man sich in dieser ungewissen Zeit kaum auf etwas verlassen konnte, freute ich mich zu lesen, dass der Brockenlauf stattfinden sollte. Im Mai dachte ich (wie immer) darüber nach, wie ich mein Training etwas anpassen könnte. Hier wollte ich mal wieder ein paar Höhenmeter einbauen und die Distanz erhöhen. Das hat auch ein wenig geklappt, aber irgendwie bin ich da nicht mit der von mir selbst gewohnten Ernsthaftigkeit rangegangen. 

Und was auch noch so ein Punkt ist: das Gewicht! Das hatte ich im vergangenen Jahr mal so richtig schleifen lassen, sodass ich kurzzeitig wieder mal bei über 100 Kilogramm lag. Diesen Höchststand hatte ich im Mai erreicht und ich weiß sehr genau, was jedes Kilogramm beim Brockenlauf bedeutet. So musste ich ganz brutal mal die Reißleine ziehen und habe es bis zum Lauf auf 95 Kilogramm bringen können.

Damit sollte es dann auch an den Start gehen. Realistisch wie ich bin, schätzte ich meine Zielzeit so zwischen 2:30 und 2:40 Std. ein. Vor allem aufgrund des Gewichts, denn desto schwerer, desto langsamer. Da erinnere ich mich immer gern an den Brockenlauf von 2017, denn hier hatte ich den besten Lauf mit etwa 88 Kilogramm und war davor im selben Jahr noch zwei Marathon gelaufen, was meine Belastungsgrenze schon weit angehoben hatte. 

Das gab es diesmal alles nicht, weder lange Läufe noch Marathon und auch sonst war alles ziemlich minimalistisch. Außer die Nudeln vor dem Lauf, das waren zwei große Portionen, die ich je am Donnertag und Freitag zu mir nahm. Wie immer eben, damit der Kopf auch zufrieden ist. 

Am Wettkampftag gemütlich aufgestanden, ein kleines Müsli gegessen und dann ganz entspannt nach Ilsenburg gefahren. Der Start war diesmal aufgrund des Hygienekonzeptes anders. Es gab keinen Massenstart, sondern man konnte irgendwann zwischen 9 Uhr und 9:40 Uhr starten. Das war, wie ich fand, eine interessante Erfahrung. Der Atmosphäre dienlich war das allerdings auch wieder nicht, da ist ein Massenstart schon besser.

Kurz bevor ich los wollte, traf ich noch auf Thorsten, was mich sehr freute. Wir hatten mal besprochen, dass wir 2020 unsere Rekorde brechen wollten. Und jetzt waren wir beide sicher, dass es diesmal nicht klappen würde und wir mal schauen wollten, was so geht. 

Ziemlich genau um 9:04 Uhr bin ich über die Startlinie gelaufen, ohne mir vorher noch etwas zu trinken zu holen oder etwas zu essen. Meine Gel-Packungen hatte ich natürlich dabei, denn sonst würde ich diesen Lauf vermutlich wegen meiner hohen Verbrennung nur schwer überstehen, auch wenn die Verpflegungsstationen wieder echt gut mit Bananen bestückt waren. Ja, natürlich habe ich auch die gegessen.

Seltsamer weise habe ich mir diesmal für den ersten Abschnitt recht viel Zeit gelassen. Ich bin sehr gemütlich losgelaufen. Das hatte wohl zwei Gründe: zum einen weil ich allein startete und zum anderen hatte ich mich nicht warm gemacht. Ich dachte mir, dass ich mir das Warmmachen auch sparen könnte, weil ich nach einem Kilometer sowieso warm bin. So ein Startblock zieht an einem ja meist ein wenig, auch wenn ich mich gefühlt nie mitreißen lasse. Aber diesmal ist es mir doch aufgefallen.

Mein Hirn war wie so oft mit der Frage beschäftigt, wie schnell ich wohl laufen sollte, bis ich nach 9 Kilometern den Hirtenstieg erreiche. Just in diesem Augenblick lief ein Läufer lief an mir vorbei und sagte mir, dass er sich schon auf meinen Bericht freuen würde. An dieser Stelle noch einen schönen Gruß!

Ich beobachtete meine Uhr und sah den Puls, der eigentlich ziemlich gemütlich vor sich hin pumpte. Die Pace kam mir angemessen vor und so sollte es auch bleiben. Zugegeben, ich war mir ziemlich unsicher diesmal, weil ich seit Januar nur einen 21 und einen 22 Kilometer Lauf gelaufen war. Die Distanz des Brockenlaufs war ich zuletzt genau vor einem Jahr gelaufen. Das ist nicht wirklich schlimm, aber wenn ich zu schnell den Berg erklimme, dann würde es mich nach der Halbmarathon-Distanz ganz sicher zerreißen. Also lieber nicht übertreiben. 

Nicht weit vom Hirtenstieg entfernt erreichte mich Thorsten und überholte mich. Wir plauderten noch kurz, schossen ein paar Bilder und dann verabschiedeten wir uns, weil ich seine Pace nicht mitgehen konnte. 

Kurze Zeit später war er dann wieder: der Hirtenstieg. Ohne darüber nachzudenken bin ich in den schnellen Gehschritt gewechselt. Was auch noch erwähnenswert ist: die Sonne erstrahlte so etwa auf der Hälfte zum Gipfel, während es unten beim Start ganz schön frisch und bewölkt war. Das kannte ich bislang immer nur anders herum.

Ein Blick auf meine Uhr verriet mir, dass ich mich ganz schön beeilen musste, wenn ich noch bei 1:30 Std. den Gipfel erreichen wollte. Ganz deutlich spürte ich die Beine und am Streckenrand stand wieder das schöne Schild: “Ab jetzt wird’s geil!”

Das stimmt! Wenn man das mag so wie ich, dann schon. Jedes Mal überlege ich, wie wenig ich wohl wiegen müsste um da hochlaufen zu können. Und vor allem, könnte ich schneller laufen als gehen? Streckenweise ist das einfach brutal und spätestens dann kommt mir ein nächster Gedanke: ich muss ja auch wieder runter. Es sind ja nur 3 Kilometer und so 2,5 davon gehe ich. Nach ziemlich genau einer Stunde hatte ich die ersten 9 Kilometer hinter mich gebracht bis zum Hirtenstieg und brauchte von dort aus bis zum Gipfel noch 30 Minuten.

Oben angekommen, war es wie immer schön oben zu sein. Die Hexe gab mir einen Klaps, dann einmal um den Stein herum und wieder den Hebel umlegen und ab nach unten. Diesmal blieb ich allerdings stehen und machte noch ein Bild, die Zeit nahm ich mir. Ein weiteres Andenken an den 50. Brockenlauf.

Nach den ersten paar Metern wählte ich meine Bergabgeschwindigkeit, von der ich dachte, dass ich dies bis unten durchhalten könnte. Diese Strecke bis zum eisernen Handweiser auf dem Asphalt sind auch immer wieder schön – es hämmert einen so richtig durch. Dort bei der Verpflegungsstation geht’s dann links ab – und das geht auch ab. Plötzlich von rückwärts eine Autohupe. Da überholte mich der erste Läufer und damit auch spätere Sieger des Brockenlaufes. Das Auto allerdings konnte nicht so leicht überholen. Hierfür musste ich am Rand anhalten, damit es vorbeifahren konnte. So bin ich von Pace 4 auf Stillstand und dann gleich wieder zurück auf volle Pulle. Was für ein Spaß.

Wie ich das oft in den Berichten schon geschrieben habe, bin ich hier eigentlich nur am Bremsen. Einfach laufen lassen kann ich einfach nicht, ich würde mich vermutlich bald überschlagen. Umso erstaunlicher war es zu beobachten, wie die Eliteläufer an mir vorbeiflogen. Da kam mir wieder mein Gewicht in den Sinn…

Die Zeit verging wie im Flug und ich gab mein Bestes um in Richtung Ziel zu kommen. Nach dem 17. Kilometer fing es dann langsam an, ich bekam so ein seltsames Ziehen in den Waden sowie Oberschenkeln. Das konnte ich ja so gar nicht gebrauchen. Aber es waren ja nur noch 9 Kilometer. Die wollte ich es doch noch krachen lassen. So versuchte ich nach dem 20. Kilometer noch ein paar Kräfte freizulegen, aber sobald ich schneller wurde, reagierten die Beine sofort. Also hielt ich die Pace, um nicht nach dem 23. Kilometer womöglich noch einzubrechen oder den Körper zu zerstören. Denn das wollte auf jeden Fall vermeiden. Solche Risiken gehe ich nur ein, wenn ich meine Bestzeiten knacken könnte, was an dieser Stelle bereits unmöglich war.

Ich hatte dann noch etwa zwei Kilometer bis zum Ziel und da wurde es dann richtig schwer. Und obwohl ich mit gleichbleibender Geschwindigkeit weitergelaufen war, schoss mein Puls auf dem letzten Kilometer in die Höhe. Hätte ich Drahtseile dabei gehabt, hätte ich sie mit Leichtigkeit durchbissen. Meine Muskeln hatten offensichtlich überhaupt keine Lust mehr und mit Freude sah ich dann das Ziel!

Insgesamt war ich zufrieden, da ich die 14 Kilometer bergab in etwa 1:04 Std. abschließen konnte. Der letzte Kilometer war zwar echt hart, aber nachdem ich gestoppt hatte, fühlte ich mich schlagartig großartig. Das hatte ich hier auch schon anders erlebt.
Meine Analyse dazu: Mir fehlte einfach die Kraft, denn mein Pulsdurchschnitt lag nichtmal annähernd im maximalen Bereich. Da war noch deutlich Luft nach oben. Hier machte sich eindeutig das fehlende Bergtraining bemerkbar!

Mit der Zielzeit von 2:34:42 Std. konnte ich das erreichen, was der Körper zu leisten in der Lage war. Ich holte meine Urkunde ab und verweilte noch eine Weile abseits des ganzen Getümmels bevor ich mich wieder auf den Heimweg machte.

Die nächsten Stunden verbrachte ich gemütlich im Sonnenschein und am Abend folgte das jährliche Klassentreffen. Damit ich vorher nicht umfalle, hatte ich noch zwei Haferriegel gegessen. Insgesamt lag laut meiner Uhr mein Tagesverbrauch bei 5900 kcal, das konnte ich auch nicht mit den zwei von mir gewählten Mahlzeiten und dem Whiskey nicht mehr aufholen. Das macht aber nix, denn ich muss ja jetzt schon damit anfangen, das Gewicht zu verringern.

Es war sehr schön mal wieder nach so langer Zeit einen Wettkampf gelaufen zu sein! Gerade die Verpflegungsstationen waren super wie immer – vor allem das dort eingesetzte Personal! -und auch sonst war für mich die Organisation des ganzen Tages perfekt gelungen.
An dieser Stelle an den Brockenlaufverein noch ein Dankeschön dafür und für meine Startnummer 8!

Ich hoffe, dass wir uns beim 51. Brockenlauf 2022 wiedersehen! Bis dahin…

Sportliche Grüße
Alex

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2 Gedanken zu „Brockenlauf 2021

    • 🙂 Ja, das nächste Jahr muss besser werden. Dieses Jahr hatte mir ja tatsächlich alles gefehlt, was man für diesen Lauf braucht. Und zu allem Unglück bin ich zwei Wochen vor dem Lauf auch noch mit dem Fahrrad gestützt, das konnte ich auch gar nicht gebrauchen, sodass ich meine zwei langen Einheiten auch nicht mehr laufen konnte. Aber egal, der nächste Lauf kommt.
      Gruß
      Alex

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