
Obwohl ich seit 2013 bereits beim Brockenlauf dabei war, schaffte ich es nie bei dem Osterlauf einmal dabei zu sein. In diesem Jahr war es aber mal passend, sodass ich mich kurz vor dem Anmeldeschluss in die Startliste eingetragen hatte.
Was mich erwarten würde, konnte ich aufgrund der Beschreibung und anhand des Streckenbildes nur erahnen. Die Strecke mit 16,5 km Länge und die etwa 320 Höhenmeter sagen ja bereits etwas aus und mir war schon irgendwie klar, dass es keine ganz einfache Strecke ist. Ich selbst dachte mir einfach, ich nutze den Lauf als weiteren Trainingslauf mit maximaler Anstrengung aber trotzdem noch so, dass ich danach nicht umfalle.
Der Unterschied zu allen bisher gelaufenen Wettkämpfen war, dass der Tag zuvor Karfreitag war, sodass ich der christlichen Tradition treu blieb und Massenhaft Kartoffeln mit Fisch in Sahne gegessen hatte. Das weicht extrem von meiner sonstigen Wettkampfnahrung ab, denn sonst esse ich immer Nudeln. Wie sich das auswirken würde, war mir unbekannt, aber trotzdem erlebte ich eine sehr entspannte und ruhige Nacht. Keine Aufregung, einen Ruhepuls von 39 die Nacht über und auch am Morgen war ich richtig erholt. Der Lauf startete um 10 Uhr und in völliger Gemütlichkeit trank ich einen Kaffee und aß einen Haferriegel. Erst um kurz vor 9 Uhr hatte ich mich auf den Weg nach Ilsenburg gemacht, parkte wie immer an der Harzlandhalle und wanderte zum Rathaus beim Marktplatz.

Es war auch ganz schön was los auf dem Platz und ich stand in einer ziemlich langen Schlange um meine Startnummer abzuholen. Da war es bereits schon 9:40 Uhr und damit hatte ich noch entspannte 20 Minuten bis zum Start. Ich wartete bis 2 Minuten vor 10 Uhr und zog dann meine Jacke aus, die ich dann beim Kleiderzelt verstaute. Und dann sollte es auch losgehen!
Start! Ich stand mal wieder ziemlich weit hinten, sodass ich erstmal gar nicht weg kam. Das Feld löste sich aber schnell auf sodass es entspannt durch den Ort ging. Meine Pace lag auf dem ersten Kilometer bei 6 min/km und da ich mich wie immer nicht warm gemacht hatte, war das völlig ok. Es dauerte auch nicht lange und die Strecke führte in den Wald auf schmalere Wanderwege und es ging gleich richtig schön hoch. Dazu kann ich noch erwähnen, dass ich seit dem Brockenlauf im letzten Jahr so gut wie keine Trainingsläufe in den Bergen machte, ich war also nur auf flachem Terrain unterwegs. Das merkte ich deutlich, denn da knallt der Puls auch direkt hoch, was ich sonst nicht so direkt gemerkt hätte. Aber egal dachte ich mir, wird schon klappen und ich reihte mich einfach ein in die Perlenkette und lief hinterher.

Gerade diese ersten Kilometer waren ein ewiges Auf und Ab, auch wenn es insgesamt natürlich mehr bergauf ging. Und das zerrte ganz schön an meiner Kraft. Ab dem 6. Kilometer ging es dann erstmal nur noch bergauf und meine Geschwindigkeit brach schön ein. Ich dachte mir, bloß nicht zu schnell hoch, weil ich sonst keine Power mehr für runter hätte. Die Kilometer 6-8 waren die langsamsten mit 6:55, 7:22 und 6:56 min/km und nach diesem kräftezehrenden Streckenabschnitt konnte ich ab dem 9. Kilometer die Pace wieder etwas erhöhen und pendelte mich so bei 5:30 min/km ein. So vom Gefühl her dachte ich mir, dass es jetzt bald nur noch runter gehen müsste. Und so war es auch, auf schmalen, verwurzelten mit Steinen bestückten Wanderwegen ging es schön bergab. Mit annähernd vollem Risiko bin ich an einigen Läufern vorbei geflogen und ab dem 12. Kilometer schoss ich mit Pace 4 min/km die Strecke hinab. Das war dann aber nach kurzer Zeit etwas zu heftig, sodass ich dann auf 4:30 min/km verringern musste. Das letzte Stück der Strecke war war mir durchaus bekannt, sodass ich wusste wie Kräftezerreißend diese letzte Abschnitt sein würde. Das waren die letzten Kilometer des Brockenlaufs.
Ich konnte nicht mehr und obwohl ich weder langsamer noch schneller wurde, hörte ich von hinten ein Atmen und eine Frau erreichte mich, bedankte sich bei mir fürs Ziehen. Sie meinte noch, sie wird mich nicht überholen, da sich das nicht gehört kurz vor dem Ziel. Ich äußerte, dass sie meinen Segen hat, da ich absolut nicht mehr in der Lage war, diese Pace mitzugehen. Ich war tatsächlich durch und mein Puls hämmerte auf den letzten 5 Kilometern zwischen 160-170 Schlägen. Da wusste ich, ich war voll am Limit mit durchschnittlich 4:20 min/km. Mehr war einfach nicht mehr rauszuholen. Ob das an dem ganzen Fisch in Sahne vom Vortag lag oder ich viel zu warm angezogen war – keine Ahnung, aber sicher war, ich gar fix und fertig.

Ich schaffte es aber trotzdem, meine Pace bis ins Ziel zu halten und lief mit 1:30,11 Std. über die Linie. Damit erreichte ich in der Kategorie M50 Platz 6 von 25. Bei der Gesamtplatzierung konnte ich auf Platz 82 von 262 rennen, damit war ich auch voll zufrieden und außerdem hatte es mir mal wieder Spaß gemacht, mich bis an meine Grenze zu treiben.
Einen Gruß an den Brockenlaufverein und vor allem Martin, den ich ganz kurz auf der Strecke als Fotograf erblickt hatte.
Sportliche Grüße
Alex