Halbmarathon Freiburg 2013

Zwei Tage vor dem Event fragte mich Oli, ob wir uns nicht zum Halbmarathon in Freiburg anmelden sollten. Ich war skeptisch, denn wenn man so einen Lauf schon laufen möchte, dann sollte man sich auch zumindest etwas vorbereiten. Natürlich waren wir schon fit und  „einfach mal so“ zum Mitlaufen sollte es auf jeden Fall reichen.

Wir fuhren also einen Tag später – Samstag – zur Freiburger Messe und haben uns auch angemeldet. Die Kosten waren mit 55 Euro pro Person nicht unbedingt wenig aber unerheblich, schließlich wird dafür auch einiges bereitgestellt und am Ende erhält auch jeder Finisher eine Medaille. Wir schlenderten noch über die Laufmesse und schauten, was es dort so schönes gibt. Die Marathon-Tüte stolz in den Händen haltend gönnten wir uns noch ein 5-Euro-Steak-Brötchen und begaben uns zum Zielbereich auf dem Messegelände. In den Gedanken spielte sich schon ab, wie wir hier ins Ziel hechten würden.
Das Wetter sollte trocken und so zwischen 10-13 Grad werden, also genau richtig für ein solches Vorhaben. Ganz nebenbei sollte das auch der erste offizielle Lauf gewesen sein, an dem wir gemeinsam an den Start gegangen sind. Damit auch jeder erkennen würde, dass wir zusammen gehören, musste noch ein passendes Neon-Laufshirt besorgt werden. Einen Aufdruck Whiskey Running Team gab es zu der Zeit noch nicht.

Die Nacht war einigermaßen gut, auch wenn wir nicht allzu viel Schlaf hatten. Irgendwie war die Aufregung recht hoch, obwohl es doch nur ums Laufen ging. Wir tauchten also am Sonntagmorgen auf dem Messegelände auf und überall waren schon Läufer zu sehen.

Die Messehallen waren gefüllt und jeder machte sich auf seine Art bereit für diesen Lauf, der dann auch bald starten sollte. Wir selbst dehnten uns noch etwas, obwohl das mehr oder weniger auch nur der Beruhigung diente. Wie genau sollte man sich überhaupt vorbereiten? Mit irgendwas einreiben, noch etwas essen oder trinken? Wieviel trinken?

Das sind so Fragen, die konnte von uns eigentlich keiner so genau beantworten. Soetwas müssten wir erst selbst herausfinden. Am Ende wird man schon sehen, was man falsch gemacht hatte und was man beim nächsten Lauf vielleicht besser machen kann.

Der Start rückt näher und wir begaben uns nach einem kleinen Boxenstop auf den Weg zur Startaufstellung.
Da standen wir nun mit mehr als 11000 Läuferinnen und Läufern und warteten auf den Startschuss. Die Aufregung kochte langsam über und dann gings auch schon los. Das Feld bewegte sich langsam nach vorne und gefühlte drei Minuten nach dem Startschuss überquerten auch wir die Startlinie. Wie schnell sollten wir laufen? Jegliches Gefühl für Geschwindigkeit war aufgrund der vielen Läufer wie vernichtet. Wir rannten einfach los und von der Masse getrieben, zog es uns schnell vorwärts, als wenn vor uns irgendwo ein Magnet wäre. Dazu noch das beflügelnde Gefühl, dass wir ständig überholen konnten. Das war klasse.
Allerdings hatten wir immer wieder mit Blick auf die Uhr den Puls im Auge. Zumindest beim Start wollten wir es erstmal ruhig angehen lassen, denn schließlich wußten wir nicht, wie sich die 21,1 km im Wettkampffeeling anfühlen würden. Aber aufgrund der Aufregung und der anfänglichen Startgeschwindigkeit lagen wir schon über 150 Puls. Macht nix, das wird sich schon einpendeln nach dem Startgewusel. Die anfänglich gefühlte Übermacht des Körpers war aber dennoch nicht zu verachten. Es ist irre, man denkt, der Körper hat keine Grenzen.
Sehr schön waren auch die Musikbands, von denen etwa alle 500 Meter eine vertreten war. Wir konnten gar nicht alles aufsaugen, denn so vieles galt es zu beachten. Wieviel trinken, was essen – überhaupt was essen? Klar, so ein Stückchen Banane geht immer. Und dazu immer wieder etwas Iso, damit zumindest der Kopf dem Körper sagt, man hätte alles richtig gemacht.
Die Verpflegung dieses Laufs war vorbildlich: Jeden zweiten Kilometer gab es einen Stand mit allem, was man brauchte.

Und so zogen wir die ersten 11 Kilometer mit einer Pace von etwa 5:30 Min/km durch die Straßen von Freiburg. Auf der Strecke Richtung Stadion hingen wir voll im Getümmel. Das dachten wir aber auch nur, denn wir waren auch zu dieser Zeit immer noch schnell unterwegs. Wir konnten uns unterhalten und spaßten wie gewohnt herum.

Nach dem 11. Kilometer trennten wir uns, denn mich zog es etwas schneller vorwärts als Oli. Und so gab ich etwas Gas und verringerte die Pace auf durchschnittlich 5 Min/km. Ich fühlte mich gut und so sollte es hoffentlich weitergehen. Also jagte ich mich durch die Innenstadt und merkte, dass ich langsam meine eigene Grenze erreiche. Die letzten sechs Kilometer wurden schwerer. Den Ursprung der plötzlich träge werdenden Beine war wohl einfach der Speed, den ich allerdings gar nicht merkte, da überall Menschen an der Strecke standen und Klatschten. Auch wurde das Feld immer dünner, sodass man sich immer wieder ein „Opfer“ vornahm und überholen musste. Dadurch pumpt man sich natürlich extrem aus, denn selbst das Anheben der Speed von 0,1 km/h macht sich dann bemerkbar.
Der Blick auf die Pulsuhr ließ mich dann doch erschrecken, denn die zeigte mit 176 bpm nicht gerade den Wohlfühlmodus an.

Wo war eigentlich Oli? Hinter mir konnte ich ihn nicht mehr sehen, aber weit hinter mir war er sicherlich auch nicht.

Die letzten Kurven und dann sah ich schon fast das Ziel. Ich war platt und irgendwie froh, dass es vorbei war. Die letzten drei Kilometer lief ich wohl zu sehr im Bereich meines eigenen Drehzahlbegrenzers.
Man sollte sich richtig einordnen: Rechts laufen für Halbmarathon, links auf der Straße für die Marathonstrecke. Oh man, ich fragte mich, wie ich in diesem Zustand wohl die nächsten 21,1 km durchhalten würde? Wahrscheinlich gar nicht!
Aber wir waren ja für die Halbmarathonstrecke gemeldet, also trennten mich noch knapp 100 Meter vom Ziel. Geschafft!

Gleich nach dem Ziel wartete ich auf Oli, der nur knapp 2 Minuten später eintrudelte.
Muss doch hart gewesen sein, denn gleich ansprechbar war er nicht.

Danach ging es um die Ecke zur Medaillenausgabe und dann zur Verpflegungsstelle in der Halle. Da es doch recht kalt war, was man beim Laufen überhaupt nicht bemerkte, hatte jeder einen Kunststoffsack zum Überziehen erhalten – sehr angenehm!
Kurze Zeit später haben wir das Event zwar erschöpft aber glücklich verlassen.

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