Von Null auf Hundert

Oli: Von Null auf HundertLaufen macht Spaß! Wie oft hat man diesen Satz schon gelesen oder gehört? Sehr oft, überall kann man ihn lesen. Laufen scheint eine Droge zu sein, die einen nicht mehr los lässt.

Für jemanden, der noch nie gelaufen ist, ist es schwer nachzuvollziehen, dass man beim Laufen Spaß haben kann oder das es sich einfach gut anfühlt. Oder die anderen, die schon einmal gelaufen sind, haben vielleicht alles andere als Spaß dabei empfunden.
Aber vielleicht sind auch oft Fehler in der Ausführung des Trainings Grund dafür, keine Freude bzw. Spaß am Laufen zu erleben. Die Folge ist dann Frust, Enttäuschung und man schmeißt hin. Gerade am Anfang kann man viel falsch machen.

Zu Beginn ist es also wichtig, dass man diese Motivationsbremsen oder auch Anfängerfehler vermeidet.

Der Körper muss langsam auf die neue Belastung eingestellt werden. Wichtig sind dabei auch passende Laufschuhe. Es bringt ja nichts, wenn beim Laufen durch falsche oder nicht vernünftig sitzende Schuhe der gesamte Bewegungsapparat leiden muss. Für Laufschuhe muss auch kein Vermögen ausgegeben werden, denn speziell am Anfang weiß man vielleicht noch nicht genau, welche gut sind. Erst nach einigen Läufen stellt sich heraus, ob es die richtige Wahl war oder nicht.

Kommen wir aber wieder zurück zu der ungewohnten Belastung für den Körper. Es ist immens wichtig, dass man sich nicht überlastet. Hat man gleich nach dem ersten Lauf schlimme Schmerzen, dann kann das die Anfangsmotivation stark schmälern. Leichter Muskelkater kann hingegen die Motivation auch steigern, weil man merkt, dass man etwas geleistet hat. Übrigens: Wenn die Schmerzen nach mehreren Tagen nicht verschwinden dann wäre ggf. ein Arztbesuch ratsam.

Eine behutsame Methode sollte angewandt werden, um den Körper an die Laufbewegung zu gewöhnen. Begünstigend wirkt ein weiterer Faktor: Die eigene Einstellung zu diesem Vorhaben. Wenn man zwanghaft das Laufen versucht, fällt es einem mit Sicherheit schwerer als wenn man mit etwas Willen und auch vielleicht einem Ziel an die Sache ran geht. Es gibt ein paar Dinge, die den Start sehr erleichtern können: z. B. Musik im Ohr oder auch ein Trainingspartner, der mitmacht oder einen antreibt.

Es sei nochmal erwähnt, dass hier ein Personenkreis gemeint ist, der noch nie gelaufen und auch nicht in der Lage ist, eine Dauer von annährend 10 Min durchzulaufen.
Sowas gibt es nicht? Doch!

Ich freue mich ganz besonders, dass ich an dieser Stelle jemanden nennen kann, den ich selbst dazu motiviert habe, den Genuss des Laufens zu erleben. Es ist mir in der Folge gelungen, aus einem total unsportlichen Menschen einen sportlichen Kämpfer zu entwickeln. Es handelt sich dabei um niemand geringeren als Oli!

In unserer Vorstellung (Über uns) haben wir dazu bereits erwähnt, wie Oli zu dieser Entscheidung kam. Hilfreich bei diesem Vorhaben war natürlich auch sein Wille zur Veränderung. Im Sommer 2010 besorgte er sich also ein Paar Laufschuhe – der Spaß konnte beginnen…

Das von mir ausgewählte Training war so ausgelegt, dass er nach 6 Wochen in der Lage sein sollte, 30 Minuten am Stück zu laufen. Und so haben wir uns dreimal in der Woche getroffen, um seinen Körper fit zu machen.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie anstrengend das für Oli war. Die erste Trainingseinheit bestand nur aus fünf Abschnitten im lockeren Trabmodus, doch es war für ihn die Hölle.
Im Klartext: 2 Min laufen – 3 Min gehen – und das ganze eben fünf Mal.

Nach der zweiten Wiederholung konnte er ohne mehrmaliges Luftschnappen bereits keinen zusammenhängenden Satz mehr sprechen. Darüber hinaus war während des lockeren Laufens ein lustiges Unterhalten gar nicht möglich.
Aber er zog das erste Training durch, auch wenn die letzte Wiederholung schon fast ein Kriechen war…

Jetzt könnte man sich fragen, ob das denn gut ist, wenn man so keucht und es sich außerdem wie eine totale Überlastung anhört.
Ich sag mal so: Natürlich ist es nicht nötig und man hätte es vielleicht auch etwas leichter angehen können. Aber ich sah mich dann doch mehr in der Rolle eines Drill Sergeant und nicht als Doktor, der den Körper abklopft.
Das Training war für ihn genau richtig, denn schließlich handelt es sich bei Oli um eine Person mit starkem Willen, sodass ich da auch mal etwas härter rangehen konnte. Zudem sieht man schnell, wenn es zu viel wird. Bis zum Kreislaufzusammenbruch ist es selbstverständlich nicht gegangen! Ok, manchmal war es nahe dran 🙂

Die erste Zeit war also sehr anstrengend, zumal mit den Wochen das Training immer härter wurde. So erhöhten sich die Minuten der Wiederholungen und die Pausen wurden immer kleiner. Das Laufen selbst ist Oli jedoch zunehmend leichter gefallen, auch ist er nicht mehr so extrem hechelnd neben mir gelaufen. Und es dauerte dann auch nicht mehr lange, bis er die 30 Minuten am Stück laufen konnte.
Damit waren wir beide erfolgreich und Oli meinte dann, dass es schon extrem hart für ihn gewesen sei, im Nachhinein war er aber froh, dass er es durchgezogen hatte.

Natürlich war das nicht das Ende, schließlich war das “nur” die Grundsteinlegung.
Oli war auf den Geschmack gekommen und so konnten wir weiter an seinem Aufbau arbeiten.
Um meiner Rolle als Drill Sergeant gerecht zu werden, lockte ich ihn zu meiner Bergstrecke. Ich sagte ihm, dass es gut für ihn wäre, wenn er genau jetzt nicht nur auf ebenen Strecken, sondern auf solchen mit Höhenprofil laufen würde.
Dafür hatte ich meine eigene High-Speed-Strecke auf dem Tuniberg gewählt. Ganz ehrlich, die Strecke ist verdammt hart, vor allem wenn man gerade mit dem Laufen begonnen hatte.
Aber hey, hier wurde nicht geheult, sondern gekeult!

Und ein extrem leidender Oli pfiff aus dem letzten Loch, nachdem wir die ersten 500 Meter nur bergauf hinter uns hatten.
Sprechen? Nein, konnte er nicht. Genauso wenig konnte er sich dagegen wehren, denn ich motivierte ihn durchgehend nicht aufzugeben.

Am Anfang dieses Trainings am Berg für die Härte und Ausdauer schafften wir die fast 5 Kilometer in 48 Minuten. Nach den Trainingseinheiten war Oli immer platt, aber dennoch berichtete er immer öfter von einer gewissen Entspanntheit danach, wenn man frisch geduscht auf dem Sofa über das nachdenkt, was man geleistet hat.
Diese Strecke sind wir noch oft gelaufen und es wurde immer besser und schneller, auch wenn Oli sehr oft den Berg anschreien musste, weil ich ihn immer mehr getrieben hatte.
Aber: Wo Schreie sind, ist auch noch Luft!

Danach folgte das nächste Ziel: 10 km!
Diese sollten dann aber auf flacher Strecke gelaufen werden. Speziell wenn man vorher über Wochen hauptsächlich auf dem Berg herumgelaufen ist, kommt einem ein Lauf mit ebenen Profil sehr leicht vor. Genau das wollte ich mit dem Bergtraining auch erreichen.
Damit war mein Job als persönlicher Motivator und Trainer auch erledigt und Oli rannte alleine den 10 km entgegen. Er trainierte weiter und erhöhte langsam die Anzahl der Kilometer, bis er dann etwa ein Jahr später das Ziel erreichte.

Für den ersten Versuch, die Strecke von 10 Kilometern zu erledigen, benötigte er etwa 1:11 Std. Ich kann mich noch daran erinnern, wie er einmal sagte, dass es für ihn unmöglich wäre, diese Strecke unter einer Stunde zu laufen. Die nächsten Testläufe lagen dann im Bereich von 1:10 Std. und darunter.
Ich glaube, es dauerte dann noch mehr als ein Jahr, bis er auf seiner Uhr eine Zeit von 59 Min stehen hatte. Es war ein weiterer großer Erfolg, aber es sollte noch lange nicht das Ende der Fahnenstange gewesen sein!

Das Leben genießen!Wir haben uns dann meist am Wochenende oder auch mal unter der Woche für gemeinsame Läufe getroffen und überlegten uns immer wieder neue Herausforderungen wie z. B. einen 20 Kilometer Lauf, später kamen dann die 30 Kilometer dazu.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Oli in diesen dreieinhalb Jahren eine Menge erreicht hat – von Null auf Hundert, von absolut unsportlich bis zum ersten Marathon.

Insgesamt sind wir jeden Abschnitt langsam angegangen, damit keine Überlastung entsteht und haben offensichtlich nicht alles aber vieles richtig gemacht. Vielleicht kann man das ganze auch schneller oder besser trainieren, aber der Spaßfaktor stand neben der Gesundheit immer ganz oben auf der Liste, auch wenn ab und zu ein wenig Leiden dazugehört.
Aber es kann auch manchmal Spaß machen, wenn man sich richtig auspowert und danach extrem gut entspannen kann.

Das wir bei unseren Aktivitäten Spaß haben und wie wir das Leben mit dem Laufen genießen, kann man auf dieser Webseite immer wieder lesen und auch sehen.

Sportliche Grüße
Alex

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