Baden-Marathon 2018

Ein weiterer Marathon in der Historie des Whiskey Running Team. Treibende Kraft für die Teilnahme beim Baden-Marathon 2018 in Karlsruhe war diesmal Oli, der auch einmal in seiner Heimat einen Marathon laufen wollte.

Die Vorbereitungen dazu begannen schon Anfang des Jahres, denn es sollte möglichst optimal trainiert werden. Beide, also Alex und Oli, wollten diesen Marathon knapp unter ihrer bisherigen Bestzeit laufen, also unter 4:30 Std. So trainierten die beiden Woche für Woche meistens im Fitnessstudio auf dem Laufband, eher selten führten wir die gemeinsamen Sonntagsläufe durch. Ein Grund war, dass Alex sonst oft einen zu hohen Puls hat,wenn wir zusammen unterwegs sind und sie sich dann auch meistens zu einem höheren Puls hinreißen lässt. Um dies zu umgehen ist es sehr viel einfacher, wenn man nebeneinander auf dem Laufband rennt, da man dies dort eben leichter steuern kann und trotzdem Unterhaltung hat.

Für mich ist das mehr als Hardcore, mehr als drei Stunden auf dem Laufband zu verbringen. Allein der Gedanke verursacht bei mir ein Schwindelgefühl. Schon nach zwei Stunden hab ich das Gefühl, ich steige aus einem Karussell.
Aber da sind die beiden mittlerweile Profis auf dem Gebiet und es funktioniert auch, was die vergangenen Langstreckenläufe zeigen.

Alex hatte ihre Planung diesmal (wieder) perfekt durchgeführt wie sie berichtete. Sie war gut vorbereitet, auch wenn sie den ein oder anderen Trainingslauf tauschte oder ausfallen ließ. Sie fühlte sich auch selbst gut, sodass dem Abenteuer nichts im Weg stehen sollte. Oli führte ebenfalls sein Training durch, wie er es seit einiger Zeit immer machte. Eine Mischung aus Erfahrungen sowie Lust & Laune, vielleicht auch ein wenig an dem Plan von Alex angelehnt.
Neben dem Lauftraining zog er weiterhin sein Krafttraining durch, was für einen Marathon sicherlich nicht unbedingt schädlich war um einfach stabil zu sein.

Etwa eine Woche vor dem Wettkampf entschied Oli, dass wir in Karlsruhe übernachten und am Abend noch etwas bei seiner Mama essen. Und das war auch die richtige Entscheidung.

Am Samstag fuhren wir also nach Karlsruhe und holten als erstes unsere Startnummern in der Europahalle ab und schlenderten noch über die kleine Lauf-Messe. Danach nisteten wir uns in einem kleinen gemütlichen Hotel ein und machten uns anschließend zu Fuß in die wenige hundert Meter entfernte Lokalität von Olis Mama, um uns für den Marathon zu stärken.
Oli fragte ein paar Tage zuvor, was wir denn essen könnten und ich antwortete, dass ich durchaus Schnitzel-Pommes nehmen würde, aber Nudeln wären auf jeden Fall auch toll.

Leute, wir bekamen einen unheimlich leckeren Abendschmaus präsentiert! Das musste ich natürlich auch bildlich festhalten, denn so viel hatten wir vor einem Marathon vermutlich noch nie gegessen.

Neben einer großen “Schnitzelplatte” mit Salat gab es eine riesige Nudelschüssel mit einer etwas kleineren Bologneseschüssel. Das roch so lecker und wir begannen gleich mit dem Verspeisen. Die selbst gemachten Schnitzel, teils mit Cornflakes, teils mit der üblichen Panade waren unheimlich gut, sodass Oli und ich je drei Stück aßen und dazu zwei oder drei Portionen Nudeln vernichteten. Alex hat auch voll zugeschlagen, da sie aber etwas kleiner ist, passte nicht ganz so viel rein. 🙂

Zum Abschluss krönten wir das Essen noch mit unserem Lieblingsgetränk, wobei hier nicht nur ein Glas gefüllt wurde. 😀

Macht nix, dachte ich mir, wenn ich schon gar kein Training hatte, so konnte ich beim Essen und trinken ruhig auch etwas riskieren. Oli konnte nicht mit ansehen, wie ich den Jacky alleine trank und musste mitziehen. Alex hingegen blieb völlig diszipliniert bei alkoholfreien Getränken.

So gegen 20:30 Uhr wanderten wir zurück ins Hotel und machten es uns gemütlich. Noch ein wenig TV, die Sachen zurecht gelegt und den Wecker gestellt. Am nächsten Tag trafen wir uns um 7 Uhr zum Frühstück wieder.

Das Frühstück war üppig und so bekamen wir was wir brauchten bzw. gewohnt waren. Wir hatten viel Zeit zum Essen und somit keine Hektik. Das war angenehm.
Nach dem Auschecken fuhren wir zu unserem am Vortag festgelegten Parkplatz, denn uns war klar, dass ein für uns günstiger Parkplatz vor der Europahalle schwierig werden würde.
Der Parkplatz war perfekt und wir hatten nur wenige Minuten bis zur Halle.

Noch eine Stunde bis zum Start, dann sollte das Abenteuer starten. Ich besorgte mir dann auch noch zwei zusätzliche Kohlenhydrate-Gels, weil es auf der Strecke neben Getränken nur Bananen geben sollte. So hatte ich dann vier Packungen und wollte mich nach 10, 20, 30 und 35 km damit versorgen. Oli war mit 9 Packungen aufmunitioniert und Alex war ebenfalls ganz gut bepackt. Was also die Energie anging, konnte nix schief gehen.

Jetzt noch kurz zu mir. Die meisten von euch wissen ja, dass ich im Zielbereich vom Brockenlauf richtig fies umgeknickt bin und so die Wahrscheinlichkeit eines schmerzfreien Laufen fast unmöglich erschien. Nun, 18 Tage nach diesem kleinen Unfall testete ich meinen Bewegungsapparat auf einer Strecke von 6 Kilometern mit der geplanten Racepace. Zugegeben, die ersten zwei Kilometer waren irgendwie komisch und ich hatte Sorge, dass ich irgendwas kaputt machen könnte. Aber, danach war es besser und Schmerzen hatte ich auch nicht. Damit war mir klar, dass ich den Marathon laufen würde, auch wenn viele andere Stimmen mir geraten hatten, dies nicht zu tun. Etwas Risiko lag natürlich trotzdem in der Luft, denn wie würde der Fuß reagieren, wenn 20 oder 30 Kilometer auf ihm lasten würden? Mein Wettkampfgewicht lag bei 95 Kilogramm und nach dem Essen am Vorabend waren das sicher nicht weniger. Bei den letzten Marathonläufen wog ich etwa 90 Kilogramm, also hatte ich nicht nur kein Training, sondern war auch noch schwerer.

Um den Wahnsinn noch weiter zu verdeutlichen, bin ich seit dem Freiburger Marathon im April nur fünf längere Läufe gelaufen, wenn man überhaupt von lang sprechen kann:
25.06.: 15 km, 01.07.: 17 km, 15.07.: 18 km, 05.08.: 21 km, 19.08.: 22 km

…und natürlich den Brockenlauf am 01.09. mit 26,6 Kilometern. Bei dieser Betrachtung war sogar mir klar, dass dies die besten Voraussetzungen waren, einen Marathon mit Pace 6 zu laufen. Einzig die wenigen Trainings mit dem Fahrrad stimmten mich sehr optimistisch.

Wir standen bald in der Startaufstellung und schnürten unsere Schuhe, als der Kommentator verlauten ließ, dass sich der Start noch um 5 Minuten verschieben würde. Es war stürmisch und nieselte ganz leicht. Um 9:35 Uhr war es dann endlich soweit.

Die Ziele waren klar gesteckt: Alex wollte ihren Rekord brechen aber in ihrem Pulsbereich laufen, damit sie den Lauf so angenehm wie möglich überstehen würde. Oli wollte ebenfalls seinen Rekord brechen. Damit er gleich nach dem Start jedoch nicht zu schnell läuft, wollten wir alle zusammen die ersten fünf Kilometer erleben. Zudem hatte Oli ein so gutes Gefühl, dass er nach den ersten Kilometern noch etwas Gas geben und sich in die Richtung einer 4:15er Zielzeit bewegen könnte.

Passend zu diesem Lauf, kurz bevor wir die Startlinie überquerten, ertönte aus den Lautsprechern “HIGHWAY TO HELL”! Warum hier Highway to Hell passend war, könnt ihr in den folgenden Zeilen lesen. 🙂

Wir starteten wie geplant mit einer Pace so zwischen 6 und 6:30 und versuchten uns entsprechend einzulaufen. Nach den besagten fünf Kilometern fragte ich Oli, ob es nicht auch schön wäre, wenn wir den Marathon alle zusammen laufen würden – sozusagen ein Start-Ziel-Lauf, und wenn einer abschmiert, bleiben wir zusammen. Nach kurzem Überlegen war die Sache klar und er würde nicht versuchen, noch schneller zu laufen.

So rannten wir durch Karlsruhe und konnten bei doch recht angenehmen Wetter den Lauf genießen. Das Nieseln hatte zwischenzeitlich aufgehört. Das Höhenprofil scheint auf der Webseite des Baden-Marathon relativ flach zu sein, wir spürten aber, dass sich diese kleinen Hügelchen durchaus bemerkbar machten und während man so lief, gar nicht so klein waren.

Es war trotzdem toll, wir hatten viel Spaß auf der Strecke und wurden oft auf das Whiskey Running Team angesprochen. Alles lief richtig gut und die Halbmarathondistanz erreichten wir nach 2:12 Std., nicht wie ich es im Video genannt hatte nach 2:07 Std. (Das Video ist z. Zt. auf der Facebook Fanseite zu sehen).

Wir waren also total in der Spur und der Plan, die 4:30 Std. zu durchbrechen, schien zu funktionieren. Beim 26. Kilometer, als ich einen Schnipsel des Videos erstellte, wurde es etwas schwerer. Aber die von meiner V800 angezeigte Zielzeit lag immer noch etwa drei Minuten unter der gewünschten Zielzeit. Allerdings wurde Oli minimal langsamer, während Alex die Pace halten konnte.

Ich selbst hatte – wie sag’ ich das immer so schön? – Oberschenkel! Die Dinger waren extrem belastet, während mein Knöchel sich gar nicht weiter meldete. Sogar die Knie spürte ich. Mit beiden Symptomen rechnete ich, allerdings noch nicht so früh. Da stellte sich für mich die Frage, wie sich das wohl nach weiteren 10 Kilometern anfühlen sollte.

Oli musste nach dem 30. Kilometer richtig leiden! Ihn ereilten starke Krämpfe in den Oberschenkeln und Waden. Dadurch war er gezwungen, ständig zu gehen. Ein anderer Läufer versorgte ihn noch mit Magnesium, was zumindest etwas half. Zumindest konnte er immer wieder mal etwas laufen. Der letzte Abschnitt war also wirklich der HIGHWAY TO HELL für ihn, während Alex fröhlich vor sich hin rennen konnte. Ich selbst war zwar auch ganz schön angeschlagen, aber dadurch, dass Oli so gelitten hatte, war das bei mir ja quasi gar nichts. 🙂

Jetzt mussten wir es nur noch gemeinsam bis zur Ziellinie schaffen. Damit die Strecke nicht ganz in Vergessenheit gerät, erwähne ich mal, dass es toll war durch die Stadt zu laufen. Auch die etwas ruhigeren Abschnitte hatten etwas für sich, auch wenn die, gerade wenn man stark leidet, sicherlich nicht unbedingt so vorteilhaft sind.
Wir können sagen, die Strecke ist insgesamt schön und abwechslungsreich.

Die letzten zehn Kilometer zogen sich richtig lang und fühlten sich noch schlimmer an, als sie sowieso schon sind. Hauptsächlich bei Oli, bei mir war’s jedoch auch nicht mehr so locker und dadurch, dass wir nun noch länger auf den Füßen waren, war die Belastung natürlich noch höher. Bei Alex war weiterhin trotzdem alles gut!

Ich habe hier mal die Zwischenzeiten, damit ihr euch das noch besser vorstellen könnt:
10 km – 1:02 Std. – Pace 6:13 min/km (alles bestens)
21,1 km – 2:12 Std. – Pace 6:15 min/km (immer noch alles bestens)
30 km – 3:13 Std. – Pace 6:26 min/km (es bahnt sich was an…)
Die letzten 12,195 km – 1:40 Std. – Pace 8:12 min/km (…der Endgegner)

Als wir alle drei zeitgleich nach 4:53:17 Std. über die Ziellinie liefen, war das Abenteuer “Karlsruhe Marathon” geschafft! Im Stadion konnten wir uns angemessen im Runner’s Heaven verpflegen und nach einem kurzen Verweilen holten wir unsere Taschen ab um anschließend die Dusche zu genießen. Naja, genießen war gar nicht so einfach, denn zumindest Oli und ich konnten uns kaum bewegen. In die Hocke gehen war jedenfalls nicht möglich und noch viel schlimmer war es, nachdem man es schaffte sich hinzusetzen, überhaupt wieder aufzustehen. So dauerte das Duschen diesmal länger, dafür hatten wir die bereitgestellten Duschtrucks aber fast für uns allein. 🙂

Nachdem wir fertig waren, erreichten wir mit starkem Gegenwind den Jeep und versorgten uns erst einmal mit Burgern und Milchshakes. Alex war die einzige von uns, die in der Lage war zu fahren. Sie konnte sogar hüpfen, während Oli und ich es nicht annährend schafften, den Boden mit einem Sprung zu verlassen. Das soll schon was heißen.

Auf der Autobahn stoppten wir beim Rastplatz Baden-Baden und versorgten uns noch einmal mit einem Shake. Naja, der Kalorienverbrauch nach fast fünf Stunden ist enorm, da hätten wir 3 Liter von dem Zeug trinken können. 🙂
Natürlich besorgten wir uns noch einen Jacky für die Fahrt, ist ja klar.

Als wir wieder zu Hause waren, gab es nur noch einen Weg: den auf’s Sofa! Nur Alex bewegte sich noch, aber sie konnte es ja auch, während Oli und ich einfach nur unfähig zu irgendwas waren.

Mal sehen, wie lange sich dieser Muskelkater halten wird. Und zum Schluss noch ein paar Worte zu den beiden frischen Tribble-Marathonis: Glückwunsch!
Oli, dein Durchhaltewillen war riesig und wir konnten gemeinsam ins Ziel laufen. Das war super, auch wenn ich dich die letzten 10 Kilometer habe stark leiden sehen. In ein paar Tagen ist das vergessen, aber gemacht hast du es für die Ewigkeit! Ich vermute, dass die etwas zu schnelle Startgeschwindigkeit Hauptursache dafür war. Wären wir vielleicht einen Tick langsamer gelaufen… aber hätte, hätte… geschafft ist geschafft!
Alex, du bist diesen Marathon mit Leichtigkeit gelaufen, so hast du zumindest den Eindruck gemacht. Es schien dir jedenfalls sehr leicht zu fallen, was ich prima finde. Da haste mal wieder alles richtig gemacht mit deinem Training und da wird dir der nächste Marathon wieder ein wenig leichter fallen.
Ich selbst bin einfach nur froh, dass mein Körper das durchgehalten hat, in dieser Art möchte ich das nicht unbedingt noch einmal erleben. 🙂

Danke an die Organisation und die vielen Helfer dieses Wettkampfes! Wenn alles glatt läuft, sind wir nächstes Jahr wieder dabei.

Sportliche Grüße
Alex

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