
Direkt nach dem Brockenlauf 2025 flatterte der Hamburg Marathon als Hinweis auf’s Handy und schnell war entschieden: Da müssen wir doch auch mal hin!
Nachdem die Entscheidung sehr schnell gefallen war, musste man sich bei dem doch etwas weiter entfernten Marathon noch um einige Dinge kümmern. Wie kommen wir da hin und wo sollte man übernachtet? Auch war der Preis für dieses Erlebnis insgesamt erheblich höher als sonst, aber was soll’s – man erlebt einen solchen Tag eben auch immer nur einmal!
Ein Hotel war ziemlich schnell gefunden und die Frage der Anreise war auch gleich gefixt, denn ich fahre einfach zu gern mit dem Auto. Tja, da war also der Plan klar, wie es Anfang 2026 losgehen würde: einfach mal viel laufen und ordentlich Härte in den Körper trainieren. Wie immer führte Alex ihren bislang funktionierenden Plan durch, so sollte nichts schief gehen. Bei mir war das wie immer etwas variabler, da ich als Begleitung mitging, musste ich „nur“ lange Strecken laufen, damit ich auf der Distanz am Ende nicht stehenbleiben muss oder sowas. Und so erlebten wir den ein oder anderen langen Lauf im Training und sonst ruderte ich nebenbei noch einige Kilometer, da dies dem gesamten Körper einfach gut tut.
Wie das oft so ist, vergeht die Zeit über Weihnachten schnell, das neue Jahr ist ratz fatz präsent und schwupp – sind wir kurz vor der Abreise.
Die Fahrt nach Hamburg zwei Tage vor dem Event war sehr entspannt, denn um etwa 9 Uhr sind wir los und ich war so geschmeidig zu meinem Auto, dass wir die 751 Kilometer in einer reinen Fahrtzeit von 8:29 Std. erlebten. Ich wollte es einfach vermeiden auf der Autobahn tanken zu müssen, was auch geklappt hat.
Als wir dann in Hamburg ankamen und nach einem letzten Stau das Hotel Baltica erreichten, richteten wir jeweils kurz das Zimmer ein und begaben uns auch ziemlich schnell auf den Weg etwas zum Futtern zu suchen. Nach einigem Hin- und Herlaufen landeten wir schließlich beim Eier-Carl und wie sich später herausstellte, war dies genau die richtige Wahl. Vielleicht nicht unbedingt für eine Ernährung vor einem Marathon, aber auch noch weit danach, sind wir immer noch begeistert. Das Bild sagt viel, denke ich…

Nach diesem äußert fettarmen Gaumenschmaus erblickten wir ständig so lange Bretter mit sechs kleinen Gläsern die an die Tische verteilt wurden. Nach kurzer Nachfrage erklärte man uns: das waren Eierlikör Tastingtrays. Klar, nach diesem Essen musste doch auch noch etwas Eierlikör probiert werden und so erreichte uns kurz darauf auch so ein Brettchen mit verschiedenen Probierbecherchen. Lecker waren sie alle, aber Eierlikör-Vanille war eine glatte Zehn! Wer mal dort sein sollte, muss da einfach mal hin.
Die Zeit verging wie im Flug und auf dem Rückweg zum Hotel planten wir ein wenig den letzten Tag vor dem Wettkampf. Wir hatten extra noch einen Tag Puffer eingebaut, denn nach der Fahrt direkt am darauffolgenden Tag einen Marathon laufen, das wollten wir nicht. Also konnten wir so ganz gemütlich ausschlafen, angenehm frühstücken und dann ganz locker den Tag genießen. Die einzige wirkliche Aufgabe war, die Startnummern zu holen.
Die Messe war etwa 2,5 Kilometer vom Hotel entfernt und wir machten uns direkt nach einem langen Frühstück auf den Weg. Als wir ankamen war noch nicht so viel los, auch wenn natürlich überall Menschen unterwegs waren. Als wir die Halle mit den Ausstellern erreichten und unsere Startnummern holten, standen wir auch nur ganz kurz in einer Schlange. Später dann, als wir wieder raus wanderten, sahen wir eine bestimmt 300 Meter lange Warteschlange. Und das war nur die Schlage um in die Halle selbst zu kommen. Puh, da hatten wir auch mal wieder alles richtig gemacht, dass wir so früh dort ankamen.
Natürlich sind wir auch durch die Reeperbahn gebummelt. Als Provinzler haben wir die ganzen Gassen dort auch noch erkundet und haben irrsinnig viel Zeug gesehen, was man sonst nicht so sieht.
Nachdem wir nach der Reeperbahn und der Messe mit unseren Startnummern zunächst zurück ins Hotel gingen um alles auf die Zimmer zu bringen, wanderten wir genau in die andere Richtung um irgendwo eine Schüssel Pasta zu finden. Es gab schon eine Menge Möglichkeiten, doch überall wollte man auch nicht rein. Wahrscheinlich waren wir auch in einer falschen Gegend, aber irgendwann erreichten wir eine Ecke, in der wir einen gut gefüllten und auch leckeren Teller erhielten. Ich hatte eigentlich nur das gelbe Wort „Pasta“ gelesen und wir wollten ja auch nicht ewig herumlaufen und so landeten wir dort.

Als wir diese im Vergleich zum Eier-Carl kostengünstige Lokalität wieder verlassen hatten, schlenderten wir bald wieder zurück zum Hotel, da wir ja früh los und außerdem auch rechtzeitig ins Bett wollten. Das hatte bis dahin auch alles hervorragend geklappt.
Der Tag des Wettkampfes ist ja manchmal etwas anders als „normale“ Tage. Ich hab aber in Erinnerung, dass es doch sehr entspannt war. Stress konnte da gar nicht aufkommen und wir hatten auch unheimlich viel Zeit bis es auf die Strecke ging. In der Halle für die Gepäckabgabe war so viel Platz, dass man es sich richtig gemütlich machen konnte.

Die Zeit lief natürlich weiter und so mussten wir dann doch irgendwann in unseren Startbereich und erreichten ihn auch ziemlich schnell. Der Start verzögerte sich dann noch etwas aber dann ging es doch los: START!! Und das bedeutete, die nächsten etwa 4,5 Stunden sind wir laufend ohne Anhalten unterwegs. Wie lange haben wir darauf gewartet? Endlich war es soweit und es würde sich zeigen wie gut die Trainingskilometer waren. Denn da mussten einige Trainings ausfallen und vor allem Alex machte sich da schon ein paar Sorgen, weil gerade die ganz langen Läufe nicht optimal waren.
Zunächst mussten wir erstmal richtig warm werden, denn wir standen ja einige Zeit bei etwa 6° C – Zum Glück mit den frühen Sonnenstrahlen. Aber es dauerte nicht so lange und wir waren warm. Die Geschwindigkeit war direkt so gewählt, dass es die Marathongeschwindigkeit sein sollte, dass wir die gewünschten 4:30 Std. anpeilten. (Natürlich einen Tick schneller, weil es sollte ja auch ein Rekord gebrochen werden.)
Den Weg, den wir zur Messe gegangen sind, sind wir wieder laufend zurück, das heißt direkt durch die Reeperbahn.

Bei diesem Bild hatten wir noch 40 Kilometer vor uns. Und ich war zumindest voller Zuversicht mit dem Ziel vor Augen, dass es ein toller Tag wird. Es war bestes Laufwetter und es konnte uns nichts aufhalten.
Wie die Maschinen liefen wir einen Kilometer nach dem anderen, sahen schöne Gegenden und Massen an Menschen die uns anfeuerten. Die Verpflegungsstationen waren extrem gut ausgestattet, so viel Getränke und Gels sind schon wirklich gut, weil diese Verpflegungsstraßen muss man schon sagen, so groß waren, dass es auch kein Gedrängel gab. Natürlich, die Spezialisten, die sich ein Getränk nehmen und direkt an der Station stehen bleiben oder sogar entgegen der Laufrichtung laufen, die gibt’s ja immer mal. Aber diese Fülle an Möglichkeiten, da konnte man sich echt voll eindecken. Das war eine echt gute Planung und Organisation und vor allem ausreichend Personal an den Stationen.

Bis zum erreichen der Halbmarathondistanz, die wir nach 2:11 Std. erreichten, war auch alles in bester Ordnung. Bis auf einmal Alex meinte, dass sie jetzt nicht mehr reden kann und will, weil sie sich auf ihren Körper konzentrieren müsse. Das war für mich das Zeichen, mich darum zu kümmern, dass ich an den Stationen immer die Flüssigkeit besorgte und sonst einfach nur für eine freie Bahn sorge oder eine Laufspur vorgebe wo man am besten laufen kann, falls es mal unübersichtlich werden würde. Trotzdem sind wir kontinuierlich in gleichbleibender Pace weitergelaufen.

Laufen, Laufen, Laufen – einfach immer weiter. Man hatte manchmal das Gefühl, weil so viel an der Strecke los war, dass man schon gleich im Ziel sein müsste. Aber nein, das war irgendwie der Bereich Altona wo so unheimlich gute Stimmung war. Da wurde man nochmal richtig aufgestachelt, leider brach man danach fast zusammen, denn es waren noch ein paar Kilometer und dann wurde es richtig ruhig. Das war etwas schade, denn so langsam verlässt einem ja auch die Energie. Zumindest Alex hatte schon etwas mit ihrem Körper zu kämpfen, man sah es ihr richtig an. Aber wir konnten die Pace weiter halten und ich gab wohl auch meinen Beitrag dazu, da ich nicht langsamer wurde. Ich wollte auch schon sehr, dass sie ihr Ziel erreicht. Und als wir dann die letzten Kurven durchliefen, das Ziel im Blickfeld langsam deutlicher wurde war klar, dass sie es geschafft hatte! Den Marathon unter 4:30 Std. – in 4:23:43 Std.!
Dieses Gefühl, die Ziellinie zu überlaufen und etwas geschafft zu haben, was man vorher oder währenddessen gar nicht so für möglich gehalten hatte, ist schon ein echt gutes Gefühl.
Wir schlenderten vom Ziel zur Verpflegungshalle, vorbei an der Medaillenausgabe und griffen uns hier das gute Stück ab. Die Verpflegungshalle war wie alles in Hamburg auch einfach nur riesig mit einer Menge an kleinen Köstlichkeiten, wo wir etwas Energierückgewinnung betreiben konnten und lümmelten noch etwas herum, bevor wir uns dann auf den Rückweg zum Hotel machten.

Der Weg zurück war schön gemütlich. Wir nahmen weiterhin nicht den Fahrstuhl sondern haben wie immer die Treppen genutzt, was jetzt aber dann doch schon eine kleine Herausforderung war. Nach einer entspannten Dusche ging es die Treppen wieder runter und in der Hotellobby gab es dann erstmal eine schöne kalte Dose Jack und einen Kaffee auf den sehr bequemen Sesseln. Hier konnten wir sehr gemütlich den ganzen Lauf noch einmal gedanklich durchleben.
Zum Schluss, und das hatten wir uns fest in den Kopf gesetzt, würden wir aufgrund des hohen Kalorienverbrauches uns den dicken Burger mit knapp 1000 Kalorien gönnen. Aber zunächst mussten wir erstmal dorthin. Eine etwa zwei Kilometer lange Wanderung hatten wir also vor uns, bevor wir in das Ding beißen konnten. Aber auch das schafften wir!

Dieser schöne Tag ging dann irgendwann auch zu Ende und kurz vor dem Schlafengehen, verglichen wir noch unsere Schritte, die die Uhr gemessen hatte. Ich kam insgesamt auf 56237 Schritte, während Alex 62700 Schritte absolvierte. Beide hatten wir aber fast die identische zurückgelegte Strecke von 53 Kilometern. Was für ein Wahnsinn!
Die letzte Nacht war schön erholsam, das letzte Frühstück reichlich und gemütlich, bevor wir uns auf die Autobahn begaben und die Rückreise genießen konnten. Das war ein richtig schönes Marathonwochenende und dazu auch so erfolgreich!
Sportliche Grüße
Alex