Brockenlauf 2016

Brockenlauf 2016Der Brockenlauf 2016 – bisher kein Jahr wie das andere! Auch nach meiner 4. Teilnahme geht es mir schon jetzt wie nach der 3. Teilnahme: Ich kann den Brockenlauf 2017 kaum erwarten!

Die Vorbereitung:
Mit jedem weiteren Brockenlauf lerne ich meinen Körper besser kennen, weiß immer wieder etwas zu optimieren. Bislang konnte ich so meine persönlichen Brockenrekorde immer wieder stark verbessern. In diesem Jahr war das anders. Nicht, weil ich mir keine Mühe gegeben hätte, sondern weil weit vor meinem Brockenlauftraining bereits durch den Brockenlaufverein mitgeteilt wurde, dass wir wahrscheinlich über den Bremer Weg laufen müssten. Weiterhin wurde erwähnt, dass man in diesem Jahr auf eine Bestzeit verzichten sollte, da dieser Abschnitt schwer zu laufen sei, vor allem bergab.
Diese Nachricht brachte mich dazu, mein Training in diesem Jahr etwas anders zu gestalten. Mir war klar, dass ich wohl keine Bestzeit laufen kann, denn der Bremer Weg war mir durchaus von Wanderungen schon bekannt. Trotzdem wollte ich natürlich weiter an meiner körperlichen Fitness „schrauben“, damit mir u. a. der Hirtenstieg mal etwas leichter fällt.
Ich änderte also mein Training und versuchte neben den Intervallen und Bergläufen mehr auf das Fahrrad zu setzen, um vor allem die Oberschenkel zu stärken. In den drei Monaten vor dem Brockenlauf hatte ich so 619 Kilometer mit dem Fahrrad und 543 mit Laufschuhen zurückgelegt. Meistens bin ich erst mit dem Fahrrad gefahren und gleich im Anschluss gelaufen, sodass ich mich damit oft richtig belastet hatte. Dabei hatte ich im August im Vergleich zum letzten Jahr nur knapp 130 Kilometer laufend zurückgelegt. Daran war aber auch etwas mein 40. Geburtstag schuld, an dem ich 40 Kilometer gelaufen war und die darauf folgenden neun Tage nur einmal auf’s Rad stieg.

Weiterhin waren Wettkämpfe wie der Rosskopflauf und auch der Schauinsland Berglauf genau richtig, um ein Bergauf und -ab zu trainieren. Gerade Bergabläufe sind beim Brockenlauf unheimlich wichtig, denn die 14,1 km bergab haben es einfach in sich und fordern die Beine extrem.

Insgesamt gesehen habe ich mich dieses Jahr recht ruhig auf den 03. September vorbereitet. Alles zielte darauf ab zu sehen, was das zustätzliche Radfahren bewirken würde.

Der Tag vor dem Wettkampf:
Mit ein wenig Glück hatte ich doch tatsächlich am Freitag das Vergnügen nach Ilsenburg fahren zu können, um an einem gemeinsamen Lauftraining mit Michael Greis, dem dreifachen Olympiasieger und mehrfachen Weltmeister im Biathlon, teilzunehmen. Das war für mich natürlich ein Highlight! Das Training dauerte etwa eine Stunde und meine V800 zeigte eine gelaufene Strecke von 4,4 Kilometer. Hier sollten wir Läuferinnen und Läufer natürlich nicht zu sehr gefordert werden, denn schließlich mussten wir einen Tag darauf noch über den Brocken. Neben einer Aufwärmrunde durch Ilsenburg absolvierten wir noch einige Koordinationsübungen auf einer großen Wiese, bevor wir danach wieder zum Ausgangspunkt zurück liefen.

Lauftraining mit Michael GreisAufgrund der hohen Temperatur nutzte ich die Gelegenheit schnell zum Duschen und suchte im Anschluss das Rathaus auf um meine Startunterlagen abzuholen.
Hier konnte ich wie immer gut gelaunte Damen bei der Ausgabe der Unterlagen begrüßen.

Buffet im Haus der VereineUm 19 Uhr wollte ich den Vortrag von und mit Michael Greis im Haus der Vereine genießen. Hier angekommen, gab es neben vielen leckeren belegten Brötchen (sogar Mettbrötchen) auch viele Getränke zum günstigen Preis. Alles war sehr nett angerichtet, auch die Tische im gesamten Saal waren hübsch dekoriert und mit kleinen Süßigkeiten sowie Energiedrinks garniert. Man fühlte sich wohl und konnte den etwa 1,5 Stunden langen Vortrag richtig genießen. Es war für mich interessant und habe mir einiges im Kopf gespeichert.
Zum Schluss hatte man noch die Möglichkeit sich beim Schießen zu beweisen, worauf ich aufgrund der späten Uhrzeit jedoch verzichtete. Ich musste nämlich noch wie üblich meine Nudeln essen und außerdem noch wenigstens 7 Stunden schlafen.

Bemerkung:
Am Mittwoch vor dem Brockenlauf war ich die Laufstrecke noch einmal abgewandert und stellte fest, dass die „Rote Brücke“ nun doch begehbar war.

Rote Brücke BehelfsübergangIch hatte zwar schon damit gerechnet, dass wir doch auf der „normalen“ Strecke laufen würden. Hier hatten sich jedoch schon sehr viele Läuferinnen und Läufer auf den Bremer Weg gefreut, sodass zumindest bergauf auch auf diesem gelaufen werden sollte. Bergab durfte jedoch der Behelfsübergang genutzt werden.

Der Wettkampftag:
Um 7 Uhr war ich bereits wach und mein Wecker musste sich gar nicht bemühen. Fit fühlte ich mich allerdings nicht und blieb noch ein paar Minuten liegen. Das war natürlich ein Fehler, denn im nächsten Augenblick war es schon 7:20 Uhr und ich trat mich selbst aus dem Bett, schließlich wollte ich um 8 Uhr nach Ilsenburg starten. Fast pünktlich beendete ich mein Honigfrühstück, sodass kurz darauf die Fahrt losgehen konnte. Auf der Schnellstraße bemerkte ich, dass ich doch tatsächlich meine Pulsuhr vergessen hatte! Also den Sender vom Brustgurt hatte ich ja schon einmal vergessen – aber die Uhr? Ich überlegte kurz und fuhr noch einmal zurück. Somit war klar, dass ich erst kurz vor 9 Uhr beim Marktplatz eintreffen würde. Naja, etwa 20 Minuten später als sonst…

Brockenlauf 2016Das Wetter war sehr viel besser als letztes Jahr. Die Sonne schien und es war angenehm warm. Für einen Lauf am Limit eindeutig zu warm, aber in der Vorbereitung hatte ich es ja bereits erwähnt, die Bestzeit stand nicht auf meiner Liste. Der Markplatz war wie immer gut besucht und das „Läuferbuffet“ bereits angerichtet. Hier griff ich mir auch gleich noch eine Banane und ein Getränk.
Brockenlauf 2016Ich begann dann ziemlich schnell damit, mir meine Startnummer ans Shirt zu pinnen, denn bis zum Start dauerte es nicht mehr lange. Ein netter Läufer, den ich am Tag zuvor kennenlernte (Thomas), hatte mich auch noch entdeckt und wir unterhielten uns noch ein wenig. Ich fühlte mich irgendwie etwas unter Strom, musste noch meine Tasche wegbringen und stand ruck zuck auch schon in der Startaufstellung. Nichts ist schlimmer als Hektik vor einem Wettkampf…
Auf ein Aufwärmprogramm verzichtete ich zwar, aber meine Waden bearbeitete ich noch etwas, denn die bereiteten mir seit der Brockenwanderung vor drei Tagen ein wenig Probleme. An dieser Stelle hatte ich wirklich das erste Mal Sorgen, dass meine Beine das nicht durchhalten könnten, schon gar nicht bei diesem Lauf!

Mein Lauf:
Da stand ich nun, wieder einmal fast ganz hinten im einzigen Startblock. Naja, das war aber nicht so schlimm, denn ich war mir sehr sicher, dass alle wieder sehr schnell loslaufen würden – wie immer! Durch die Bruttozeitmessung verliert man zwar einige Sekunden – bei mir waren es tatsächlich 39 Sekunden – aber das war mir diesmal nicht so wichtig, zudem startete ich bisher eigentlich immer von fast ganz hinten. 🙂
Brockenlauf 2016Dann kam der Start und wie schon befürchtet, rannte die Masse so schnell wie ich es mir auch vorgenommen hatte. Das war so im Bereich zwischen 11 und 12 km/h oder auch Pace 5:00 bis 5:30 min/km. Mein Startpuls lag übrigens bei ungewohnten 108 Puls, ganz offensichtlich war ich doch etwas nervös.
Nach etwa 5 Minuten erreichte ich meinen Racepuls von knapp unter 160 Schlägen/Min. Den wollte ich dann auch bis zum Gipfel so halten.

Ich überlegte auf den ersten Kilometern, wie gut sich diese Menge an Läuferinnen und Läufern wohl in den Bremer Weg einfädeln werden.
Nach etwa 4,6 Kilometern kam der Bremer Weg und ich muss sagen, ich musste mich ganz schön ranhalten um da mithalten zu können. Auf diesem Trailstück von etwa einem Kilometer Länge sprang mein Puls auch gleich bis zu 10 Schläge nach oben. Nun, man richtet sich irgendwie nach der Geschwindigkeit des Vorderen, gleichzeitig spürt man den Atem des Hinteren. 🙂
Der Weg selbst war ganz gut zu laufen, auch wenn ich einige Male mehr gesprungen bin. Ich denke, jeder ist ganz gut durchgekommen, von Problemen hatte ich jedenfalls nichts gehört und um mich herum waren alle sehr diszipliniert.

Ich versuchte nach diesem Stück meinen Puls wieder auf unter 160 zu bekommen, was gar nicht so leicht war. Kurze Zeit später bei der ersten Verpflegungsstation griff ich mir ein Becher Wasser und spülte damit mein erstes Vanille-Gel hinunter. Dieses Zeug sollte mich am Ende vor einem Einbruch retten.
Brockenlauf 2016Bis zum Hirtenstieg lief es bei mir wie sonst auch, ich musste nicht mehr gehen und konnte, wenn auch manchmal sehr langsam, den Berg laufend erklimmen. Es dauerte aber nicht lange und ich sah den Beginn des Hirtenstiegs. Wie jedes Jahr musste ich hier auch wieder schmunzeln, denn nach wenigen Metern wechsele ich in einen schnellen Geh-Schritt, weil mich das Laufen sonst auf diesen 2,8 Kilometern komplett platt machen würde.
Der Puls leicht über 160, der Schweiß tropfte im Sekundentakt – beim Gehen…

Bei einigen flacheren Stückchen (wenn man von flach überhaupt sprechen kann) versuchte ich wieder zu laufen, was sich aber schnell wieder erledigte. Ich hatte nur noch im Kopf, den Gipfel möglichst gut zu erreichen, damit ich noch bergab rennen konnte.

Dann kam er, der Gipfel! Schon weit entfernt konnte man ihn sehen. Beim letzten Brockenlauf gab es hier 5°C mit Nebel und man sah nichts. Dagegen war jetzt Sommer und auch wenn es durch den Wind etwas kühler war, fühlte es sich wie 20°C an. Auf dem Gipfel angekommen, erwischte mich auch wieder die Brockenhexe mit ihrem Besen und dann ging es bergab! Herrlich, dieses Gefühl von extrem bergauf zu extrem bergab.
Brockenlauf 2016Ich habe immer das Gefühl, ich müsste die Kraft umkehren oder im Körper umverteilen. Die folgenden drei Kilometer bergab auf Asphalt sind hart und ich neige immer wieder dazu, viel zu schnell zu laufen. Auch die Verpflegungsstation nach dem Gipfel konnte mich nicht aufhalten. Wahrscheinlich zu meinem Nachteil, denn ich nahm wieder nur ein Becher Wasser. Hier fühlte ich mich aber noch gut und freute mich auf die restlichen 13 Kilometer. 🙂
Beim eisernen Handweiser, wo es an der Stelle zu der verdeckten Ilse geht, gibt es gleich noch einmal eine Verpflegungsstation, bei der ich wieder nur einen Becher Wasser zu mir nahm.

Was ich bei der Wanderung schon bemerkte: Der Borkenkäfer hatte den Wald ganz schön übel zugerichtet. Besonders traurig ist auch der Urwaldsteg, in dem man sehr alte Bäume betrachten konnte, die nun fast alle tot sind.
Brockenlauf 2016Normalerweise lief man bei der verdeckten Ilse ja im Schatten, in diesem Jahr allerdings war es eher „luftig“.

Die Bergabstrecke vom Brockenlauf ist brutal und gerade bei den besonders steilen Abschnitten hämmert man gradenlos seine Beine zusammen. Den 4,1 km-Abschnitt vom eisernen Handweiser bis Schlüsie bin ich mit einer Pace von 4:02 min/km gelaufen. Für diesen Tag war das für mich zu viel, denn auch wenn ich ähnlich schnell beim letzten Mal war, so spürte ich eine bevorstehende Schwäche. Da hatte die Temperatur ganze Arbeit geleistet, was für mich zwar voraussehbar war, aber ich probierte es einfach.

Brockenlauf 2016Auf den letzten 4 Kilometern wurde ich viermal überholt. Ich wollte zwar dranbleiben, aber das war unmöglich. Meine Energie war erschöpft, ich war platt und wurde auch immer langsamer. Zwar lag meine Pace noch unter 5, jedoch sprang mein Puls in den letzten 10 Minuten schlagartig auf 175.
Bei einem Maximalpuls von 180 fühlt sich das schlicht und ergreifend brenzlig an.
Man könnte jetzt natürlich sagen: Mensch Alex, lauf doch einfach gemütlich ins Ziel! Richtig, könnte man, würde aber nichts helfen. 🙂 Diese Grenzerfahrung mache ich immer mal gern um einfach die Spitze des mir Machbaren zu erreichen. Andere treibe ich ja auch gern mal an ihre Grenzen und speziell bei diesem Lauf erreiche ich gern mal meine Grenze. Trotz der Gels waren meine Kohlenhydratreserven offensichtlich leer, zumindest vermute ich das. Anders kann ich mir diesen Pulssprung nicht erklären. Allerdings kam dieser Moment etwas später, denn beim letzten Lauf kam er schon bei Kilometer 22.

Das letzte Stück wieder nach Ilsenburg zum Marktplatz zieht sich übrigens besonders, wenn man auf dem Zahnfleisch läuft. Doch hier bauen einen die Zuschauer mit Applaus wieder auf, sodass man seine allerletzte Kraft aus dem Körper presst.

Ein paar Kurven später erreichte ich das Ziel und überquerte die Linie bei 2:28:00 Std.! Ich erhielt meine Auswertung der Zeitmessungen und einen Brockenpin.
Brockenlauf 2016Danach bin ich aus dem Zielbereich gegangen und legte mich einfach auf die Straße, denn die Schwerkraft war stärker als meine Kraft. Kurz darauf versorgte ich mich erstmal reichlich mit Getränken, denn mein Wasserhaushalt stimmte überhaupt nicht mehr. Zudem konnten ein paar Gramm Bananen auch nicht schaden. 🙂

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung spielten auch wieder die Harzer Pipes & Drums ein paar Lieder, bevor dann etwas später die Siegerehrung stattfand.
Ich war erschöpft, aber glücklich! Ein Brockenlauf ganz nach meinem Geschmack. Auch nach dem 4. Lauf in Ilsenburg freue ich mich schon auf den 02.09.2017, wenn es zum 47. Brockenlauf und damit meinem 5. Lauf gehen wird.

Ein großes Lob an den Brockenlaufverein und den vielen Helferinnen und Helfern entlang der Strecke und in Ilsenburg! Die zwei Tage in Ilsenburg waren hervorragend organisiert und ihr seit wie immer sehr freundlich!
Ich persönlich brauche den Bremer Weg übrigens nicht unbedingt, denn wirklich genießen kann man ihn nur beim Wandern, nicht aber beim Laufen. Das ist aber nur meine Meinung.

Mein Muskelkater war diesmal auch nicht mehr ganz so schlimm, schon nach 4 Tagen konnte ich wieder einigermaßen normal gehen. 🙂

Zeit: 2:28:00 Std. – 26,2 km – 890 HM inkl. Bremer Weg (+1:37 Min. – 2015)

Ich bin durchaus zufrieden, denn wäre es nicht über den Bremer Weg gegangen, hätte ich wahrscheinlich meinen Rekord doch brechen können. Offensichtlich war das Training gar nicht so schlecht und meine Waden haben auch durchgehalten, auch wenn ich sie zwischenzeitlich deutlich spürte.

Ich konnte bei diesem Lauf Platz 130 von 446 Männern erreichen, womit ich zumindest bei der Platzierung des Brockenlaufs mein bisher bestes Ergebnis erzielen konnte.

Und jetzt noch ein kleiner Vergleich mit den beiden schnellsten Läufern:
Thomas Kühlmann, mit dem ich noch am Vortag beim Lauftraining kurz kennenlernte, rannte in diesem Jahr mit einer Zeit von 1:42:44 Std. auf Platz 2. Das ist eine Pace von 3:55 min/km! Ich hatte ihn gefragt, wie man solch einen Lauf nur so schnell laufen kann, worauf er sinngemäß antwortete, dass er es einfach kann. 🙂 Die letzten zwei Brockenläufe 2014/2015 hatte der Läufer vom NSV Werningerode gewonnen.
Ich selbst durchlebte diesen Lauf mit einer Durchschnittspace von 5:39 min/km und mehr war mir auch nicht möglich.
Ebenfalls beeindruckt bin ich vom diesjährigen Brockenlaufsieger Florian Reichert, der mit 1:39:39 Std. eine Pace von 3:48 min/km hinlegte.
Da liegen zwischen mir und den beiden Spitzensportlern nicht nur ein paar Kilos, das sind tatsächlich Welten! 🙂

Meinen Glückwünsch an alle Brockenläuferinnen und -läufern und ich hoffe, ihr habt den Muskelkater genossen. 😀

Bis zum nächsten Jahr und einen sportlichen Gruß,
Alex

Für mehr Infos zum Lauf: www.brockenlauf.de

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