51. Internationaler Schwarzwaldmarathon

Nachdem wir als Team 2017 beim 50. Schwarzwald- Marathon gemeinsam die 21,1km Strecke gelaufen sind, hatte ich damals schon kurzzeitig darüber nachgedacht doch dort endlich auch mal den Marathon in Angriff zu nehmen.

Landschaftlich ist Bräunlingen einfach mega toll und die Streckenführung auf der Halbmarathon-Strecke ist super. Die kannte ich ja bereits von meinen zwei Teilnahmen.

Anfang des Jahres 2018, als ich mir dann meinen Wettkampf-Plan und meine Zielsetzung für das Jahr zusammenstellte, standen auch ganz sicher wieder zwei Marathons auf dem Zettel. Einer im Frühjahr und einer im Herbst. Ich liebäugelte für den Herbst natürlich wieder mit dem Baden-Marathon in Karlsruhe, aber auch mit dem Bodensee-Marathon. Und klar wollte ich unbedingt und endlich die magische 4-Stunden-Marke knacken. Dieses Ziel hatte ich ja schon 2017, aber da war der Sprung in der Marathonzeit vielleicht einfach noch zu groß. Aber eine deutliche Verbesserung von über 10min hatte ich da ja schon geschafft… also sollte doch der Rest spielend machbar sein.

Da hatte ich mich aber leider getäuscht und so kam ich im Frühjahr nach dem „OEM“ (Ober-Elbe-Marathon) ziemlich enttäuscht nach Hause. Ich hatte mich doch wirklich richtig gut vorbereitet, alle Trainingseinheiten durchgezogen – egal wie das Wetter war, ich war während der Vorbereitung nicht krank, alle Testläufe liefen genau nach Plan… Und dann konnte ich wieder nicht abliefern. Immerhin hatte ich mich nicht verschlechtert, aber die Enttäuschung über das eigene „Versagen“, über den schwachen Kopf der nicht mitgespielt hat, haben mich schon zweifeln lassen.

Gott sei Dank waren die Zweifel nicht so groß, als dass ich meine Schuhe an den Nagel hängen wollte – schließlich kam ja kurz danach der Schluchseelauf und das Ergebnis und das Gefühl bei dem Lauf war so grandios das mein Selbstbewusstsein wieder etwas gestiegen ist.

Über was ich allerdings lange gegrübelt habe, war die Frage ob ich es 2018 doch nochmal probieren soll die 4:00 Std zu knacken.

Nachdem dann auch die Frage geklärt war, wo ich im Herbst meinen dann bereits 5. Marathon laufen werde und ich aus privaten Gründen weder in Karlsruhe noch am Bodensee starten konnte, kam mir wieder der Gedanke an die schöne Strecke in Bräunlingen und so fasste ich den Entschluss dort ohne Zeitziel zu starten! Da die Strecke bekanntlich mit einigen Höhenmetern bestückt ist, war für mich auch irgendwie klar, dass ich da einfach laufe und schaue wie ich durchkomme.

Die Zeit von der Entschlussfassung bis zum Wettkampf war da noch lang, der Sommer lag vor uns und damit auch die heißeste Zeit des Jahres. Aber ich mag den Sommer und ich mag es auch wenn es warm ist… Dieses Jahr war es manchmal zwar etwas zu viel des guten, aber auch wie in den letzten Jahren war zu der Zeit meine Devise: „der frühe Vogel…“ und ich verlegte meine Trainingszeiten in die ganz frühen Morgenstunden.

Einzig die Einheiten, in denen ich mich auf „das Berg auf und Berg ab“ vorbereiten wollte, machte ich nachmittags oder abends, dann aber im Wald wo es schattig war. Die langen Läufe am Wochenende waren manchmal sehr zäh, die sind mir schwerer gefallen als in den Jahren vorher. Manchmal hatte ich Unterstützung durch Freunde mit denen ich öfter laufen gehe. Die haben mich dann ab und zu ein Stück der langen Strecke begleitet, das war wirklich toll. So war der Kopf doch abgelenkt und ich habe nicht alle 5min auf die Uhr geschaut.

Die Urlaubszeit war natürlich auch in den Trainingsplan eingerechnet und so habe ich auch auf Gran Canaria einige Kilometer und auch Höhenmeter gesammelt.

Beim Schluchseelauf hatte Michael gesagt, dass er im Herbst auch in Bräunlingen starten möchte. Er wollte seine Halbmarathon-Bestzeit dort verbessern.

Wir beiden Bergziegen 🙂 haben uns zwischendurch dann noch beim „Eichberglauf“ und beim „Rosskopflauf“ getroffen. Beide Läufe waren für uns neu und vom Profil her doch anspruchsvoll. Auch der heiße Sommer hat uns bei beiden Läufen einiges abverlangt, aber wir sind hart im Nehmen und haben das gerockt! 🙂

Schließlich waren beide Läufe eine super Vorbereitung auf die Anstiege im Schwarzwald. Durch die beiden Läufe habe ich gemerkt, dass ich ein schlechter Bergab-Läufer bin. Das musste ich im Training noch üben.

So verging die Zeit bis Mitte Oktober dann doch relativ schnell, der Marathon rückte näher und auch meine Nervosität wurde stärker. Bin ich gut genug vorbereitet, schaffe ich die Strecke durchzulaufen trotz der Berge… Alles Fragen die immer wieder hochkamen, auch wenn ich ja keine Bestzeit im Kopf hatte.

Vor dem Marathon trafen wir uns alle noch in Staufen beim Altstadtlauf, 6 km Rundkurs- einmal Berg hoch – einmal runter und Kopfsteinpflaster. Überhaupt nicht meine Strecke – aber es lief wie am Schnürchen und ich konnte mit 27:30min eine super Zeit erreichen und kam sogar auf den 3. Platz in meiner AK.

Damit war mein Kopf wieder etwas beruhigter und ich konnte die Tage bis zum Marathon genießen.

Wettertechnisch hatten wir extrem klasse Bedingungen. Goldener Oktober mit Temperaturen um die 25 Grad, auch im Schwarzwald, waren angesagt.

Michael und ich trafen uns am 14. Oktober in Bräunlingen in der Stadthalle. Mein Start war für 9:30 Uhr angesetzt, Michael sollte 10 Uhr auf die Strecke gehen. Wir hatten noch ein wenig Zeit und konnten uns in Ruhe umziehen usw.

Es war sehr sonnig, aber die Temperaturen waren noch recht frisch. Trotzdem entschied ich mich gleich von Anfang an kurz zu laufen, was sich als gute Entscheidung herausstellte. Ich lief ich ein bisschen warm um die Zeit bis zum Start zu überbrücken.

Wir wünschten uns noch viel Glück und schon ging´s für mich auch los. Die Zuschauer feuerten uns beim Start an und der erste Kilometer durch die Stadt verging schnell.

Auch die ersten 10km der Strecke waren richtig schnell vorüber, ich lag gut in der Zeit, der erste Anstieg der sich moderat entlang zieht hat sich pulsmäßig nicht bemerkbar gemacht. Die Sonne schien und es war einfach toll zu laufen. So kann es weitergehen dachte ich mir. Und so sollte es auch weitergehen.

Am Abzweig zwischen Halbmarathon und Marathonstrecke lag ich immer noch gut in der Zeit und ich fühlte mich super. Ein Läufer neben mir, der ziemlich mit dem Anstieg kämpfte meinte zu mir, ich würde so locker laufen als wäre ich gerade erst gestartet. Das freute mich zu hören… es war auch bis dato für mich alles im grünen Bereich. Schließlich hatten wir ja auch erst 15-18km hinter uns. Die Strecke auf der wir liefen, war für mich neu und ich wusste auch nicht was mich noch erwartete. Daher war ich tempomäßig auch vorsichtig. Ich lief nicht auf Messerschneide, ich behielt mir immer einen kleinen Puffer. An den Verpflegungsstationen nahm ich, wenn überhaupt nur kleine Stücke Banane und trank erst bei km 22 das erste Mal.

Der Rest der Strecke, die wunderschön durch den Wald, vorbei am wärmsten See im Schwarzwald führte und immer mal wieder hoch und runter führte, lief weiter wie ein Länderspiel …

Trotzdem hatte ich immer wieder mal „Angst“ das mein Kopf wieder versagt, dass der Mann mit dem Hammer hinter der nächsten Kurve auf mich wartet und ich mich doch verzockt habe. Natürlich hatte ich die Zeit gesehen die ich bis dahin auf der Uhr hatte, ich ermahnte mich aber immer wieder nicht hochzurechnen um mich nicht unter Druck zu setzen … Aber so ein kleines bisschen träumte ich von einer Zeit unter 4:00 Std.

Am letzten Verpflegungspunkt bei km 38 nahm ich mir einen kleinen Becher Cola. Damit ging es auf die „Zielgerade“, die letzten 4 km verlaufen auf dem Radweg direkt nach Bräunlingen hinein, durch den Ort bis zur Stadthalle durch den Zielbogen. Vom Verpflegungspunkt kann man 2 km bis zum Ortseingang schauen… das zieht sich für manche Läufer wie Kaugummi, bei meiner ersten Teilnahme dort ging es mir auch so. An dem Tag konnte ich da nochmal Tempo zulegen und einige überholen. Ich hatte ein bisschen das Gefühl ich fliege. Als dann die Stadthalle in Hörweite kam und ich wusste es sind nur noch wenige Meter, wagte ich einen Blick auf die Uhr und wusste dass das definitiv eine für mich grandiose Zeit unter den magischen 4:00 Std. wird.

Im Zielkanal wurde ich dann von Pit mit meinem Namen empfangen, ich riss die Arme nach oben und war angekommen! Nachdem ich meine Medaille entgegengenommen hatte, kam Michael und gratulierte mir. Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, dass er noch da ist. Er ist zwar 30min nach mir gestartet, aber war auch schon viel früher fertig. Das hat mich sehr gefreut das er noch auf mich gewartet hat! 🙂

Was mich besonders gefreut hat war, dass auch Michael seine Bestzeit im Halbmarathon neu aufgestellt hat und nach 1:47:20 Std. im Ziel war.

Nochmal HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH und vielen Dank für den Ziel-Empfang!

 

Die Zeit auf meiner Urkunde lautet: 3:55:25 Stunden und ich konnte es gar nicht glauben, auf dieser Strecke meine Marathonzeit um 13min verbessert zu haben!

Ich fühlte mich großartig… Trotzdem war dann der Weg zur Dusche mühsam, meine Füße taten weh und ich hatte das Gefühl jeden Kieselstein durch die Sohle zu spüren. Nach dem duschen gönnte ich mir meinen von daheim mitgebrachten „Regenerations- Smoothie“, genoss noch ein bisschen die Sonne und schaute den anderen Läufern bei ihrem Zieleinlauf zu, bevor ich mich dann auf den Heimweg machte.

Da das Essensangebot bei vielen Veranstaltungen für Veganer leider sehr eingeschränkt ist, habe ich mich am Abend daheim, zusammen mit Lara, über einen riesen Berg Nudeln mit viel Gemüse und zum Nachtisch „Bratapfel mit Nuss- Füllung“ und Soja- Eis hergemacht und jede einzelne verbrannte Kalorie genüsslich wieder reingespachtelt. 🙂

Alles in Allem kann ich nur sagen, das die Veranstaltung super und von Anfang bis zum Ende top organisiert ist! Man merkt mit wieviel Herzblut die Organisatoren dabei sind. Die Falke-Socken die es z. B. immer als Geschenk gibt oder auch das kleine Müsli welches im Starterbeutel zu finden ist, finde ich eine nette Freude die man den Läufern macht. Das Startgeld ist, egal ob Frühbucher oder kurzentschlossener Starter auch im normalen Bereich, dafür das man rundum versorgt und auch auf den abgelegensten VP´s im Wald verpflegt wurde, immer mehrere Sanitäter mit dem Bike auf der Strecke unterwegs waren usw.

Also wenn nichts dazwischen kommt: Sehen wir uns am 13.10.2019 wieder in Bräunlingen und vielleicht auch wieder auf der langen Strecke! 🙂

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