Brockenlauf 2026

Bei meiner 13. Teilnahme in Folge sollte mir dieser Berg wieder einmal zeigen, was er in sich hat. Nicht umsonst steht in der Beschreibung zum Wettkampf geschrieben: Nur gut trainierte Läufer sollten sich dieser Herausforderung stellen… und diesmal spürte ich das sehr deutlich, auch wenn ich dafür ganz gut rüber gekommen bin.

Bis zum September war mein Trainingsjahr ein ganz schönes Auf und Ab. Zu Jahresbeginn war ich wirklich gut unterwegs und voller Euphorie, dass es ein sehr gutes Laufjahr werden würde. Jetzt, nach dem Brockenlauf und Anfang Oktober kann ich sagen: ja, es war gut, bis auf so ein paar Kleinigkeiten. Den Osterlauf konnte ich durch Zufall auch mal erleben, danach folgten noch der Freiburger Halbmarathon und der Marathon in Hamburg. Dazwischen gab es die üblichen Cup-Läufe mit 10 km Länge und alles war eigentlich wie immer. Allerdings verließ mich ab Juni die Power und ich erreichte gerade mal 100 Laufkilometer im Monat und dieser Trend zog sich weiter fort, sodass ich im Juli nur noch auf 84 Trainingskilometer kam und im August auf 61 Kilometer. Das hatte verschiedene Ursachen, rein vom Gefühl her würde ich sagen, ich war einfach viel zu müde für Leistung. Vielleicht war das erste Halbjahr auch etwas zu anstrengend. Was aber klar war: mit diesen wenigen Trainingskilometern ist ein Brockenlauf etwas ganz besonderes.

Auf der Anfahrt ist der Brockengipfel gut zu sehen

Aber es war nicht das erste Mal, dass ich mich mit einer geringen Vorbereitung auf die Reise begab. Im Prinzip war das auch nicht weiter schlimm, denn man ist eben einfach etwas langsamer als es vielleicht mit vernünftigem Training möglich gewesen wäre. Da ich aber in der letzten Zeit auf keinen Wettkampf fokussiert war, sollte es diesmal eben auch etwas schwerer werden, dessen war ich mir bewusst.

Bevor ich jetzt länger drum herum schreibe, komme ich nun zum Lauf selbst und wie ich ihn erlebte. Ich wollte den Lauf einfach so schnell wie möglich absolvieren, was der Körper eben zu leisten in der Lage ist. Also wie fast immer.

Am Tag zuvor hatte ich mir so viele Nudeln reingeschraubt, sodass die Energie vermutlich locker für zwei Brockenläufe gereicht hätte. Die anschließende Nacht war sehr entspannt und ich konnte sehr gut schlafen. Als mich der Wecker dann aus dem Schlaf gerissen hatte, war ich gemütlich und ruhig unterwegs und bin dann ganz entspannt kurz nach 8 Uhr zum Event nach Ilsenburg gefahren. Bis zum Start hatte ich dann noch etwa eine halbe Stunde, die ich wie gewohnt mit Rumsitzen verbrachte. Warmmachen? Nein, die ersten Kilometer werden mich wie immer warmmachen und da ich meine Bestzeit sowieso nicht angreifen würde, brauchte ich das einfach nicht. So denke ich fast immer, es sei denn, ich müsste direkt Vollgas loslaufen, was ich bei diesem Lauf allerdings noch nie gemacht habe.

Vor dem Lauf diesmal total entspannt

So stand ich in der Startaufstellung und traf direkt die Truppe, die ich schon die Jahre zuvor traf. Wie schön, wenn man auf freundliche Menschen trifft, mit denen man noch etwas plaudern kann. Kurz über die jeweiligen Ziele ausgetauscht und dann sollte es nach dem Brockenlied auch schon losgehen.

Eines hab ich noch vergessen: die Tage zuvor war es sehr stürmisch im gesamten Harzgebiet und ich hatte schon sorge, dass der Lauf aufgrund von Sturm abgesagt werden könnte. Zum Glück war das Wetter am Samstag sehr viel ruhiger und so konnte ich dann tatsächlich um 9:45 Uhr in ein weiteres Abenteuer starten!

Nach dem Startschuss wie gewohnt erstmal gemütlich treiben lassen, soweit das möglich war. Meine Zielzeit schätzte ich vor dem Lauf auf etwa 2:40 bis 2:50 Std. ein, denn nach 12 durchaus unterschiedlichen Erlebnissen über diesen Berg kann ich soweit von Erfahrung sprechen und mich realistisch einschätzen.

Auch diesmal war mein Gefühl wie immer: die Horde rennt schnell los und ich mittendrin. Generell laufe ich erstmal einfach drauf los und lasse mich treiben, kenne aber auch den berühmten Anfängerfehler mit Adrenalin und Euphorie dranbleiben zu wollen. Allerdings habe ich mich da sehr unter Kontrolle und merke gleich, was geht und was nicht. Diesmal war das aber angenehm und nach dem ersten Kilometer meldete mir meine Uhr eine Pace von 5:46 min/km, was ich mir auch genau so vorgestellt hatte.

Der Smilie war neu auf dem Hirtenstieg

Für die ersten vier Kilometer hielt ich diese Pace, danach verringerte sich automatisch die Geschwindigkeit, da sich so langsam die Höhenmeter bemerkbar machten. Während der gesamten Zeit bis zum Beginn des Hirtenstiegs bei Kilometer neun hatte ich im Kopf, dass Bergtraining schon einen besonderen Wert hat. Bergtraining? Tja, das hatte ich diesmal gar nicht gemacht, denn beinahe alle Trainingsläufe waren auf der Ebene und nur wenige kurze Wettkämpfe hatten Höhenprofil. Für den Brocken definitiv viel zu wenig und überhaupt viel zu wenig Trainingskilometer. Von Stabilität konnte keine Rede sein. Ihr kennt das vielleicht auch, wenn man so während eines Laufen über das ein oder andere nachdenkt. Mir kam nicht in den Sinn, was ich nicht alles hätte besser machen können, denn das wusste ich ja. Es war eher so, dass ich mir dachte: ach, jetzt weiß ich mal wieder, wie sich das anfühlt wenn man so nix gemacht hat!

Bei mir gibt es immer zwei Möglichkeiten: entweder, der Kreislauf oder der Körper ist zu schwach. Spätestens am Hirtenstieg war klar: der Körper ist viel zu schwach. Denn als ich auf den steilen Weg einbog und so eine Weile gehend meinen schweren Körper Schritt für Schritt quälte stellte ich fest: Der Puls dümpelt vor sich hin, während die Muskeln in den Beinen nicht mehr wollten. Eieiei, das ist schon eine Zeit lang her, dass ich das mal so deutlich bemerkte. Eigentlich bremst mich da eher der Puls, bevor sich die Beine melden. Sonst bin ich so schnell es ging mit 160 Puls hochgegangen. Diesmal war bei 150 Schluss und die Beine limitierten. Das wurde so schlimm, dass ich gefühlt an beiden Waden je einen Schraubstock hängen hatte und wenn ich auch nur ein wenig schneller wurde, wurde der Schmerz fieser. Ein klarer Fall von völlig untrainiert für diesen Anstieg bzw. zu schnell. Einfach herrlich.

Dieses Bild darf natürlich nicht fehlen – wenige Meter vor dem Gipfel

Nun gut, also gemütlich weiter bis zum Gipfel, den ich nach knapp 1:35 Std. erreichte. Und während des Aufstiegs fragte ich mich: wie das wohl bergab werden würde? Eigentlich lege ich oben einfach den Hebel um und dann freue ich mich aufs Bergabhämmern. Naja, ganz so locker sollte es dann doch nicht werden, denn nachdem ich den Gipfel passiert hatte und auf der Teerstraße versuchte meine Pace zu finden, kam ich nicht so richtig auf Touren. Viel schneller als Pace 5 war fast nicht drin. Auf der gesamten Bergabstrecke pendelte ich immer zwischen 4:30 und 5:00 min/km. Und auch da spürte ich deutlich die Waden und Oberschenkel. Schneller ging einfach nicht.

Die 20-Kilometer-Marke erreichte ich nach 2:12 Min. und mein Hirn meldete: na das war auch schonmal besser. Stimmt, das war es mal, diesmal aber nicht. So langsam bohrte sich die Distanz auch in den Körper und ich erinnerte mich an die Distanzläufe, die ich in den vergangenen Monaten durchführte: nämlich keine!

Für diejenigen, die sich ein genaueres Bild machen möchten, sei dieser Absatz gewidmet: Nach dem Hamburg Marathon folgte der Schluchseelauf am 10.05.2026 mit 18,6 Kilometer. Alle Trainings danach waren diese:

Mai:
13.05. 10 km
17.05. 11,11 km
19.05. 10 km
21.05. 9 km
24.05. 11,11 km
25.05. 6,6 km
27.05. 10 km
29.05. 10,45 km
30.05. 10 km
Juni:
01.06. 10 km
03.06. 5 km
06.06. 10,9 km
07.06. 13 km
11.06. 10 km
13.06. 10 km
14.06. 12 km
17.06. 2,5 km
20.06. 10 km
23.06. 8 km
24.06. 10 km
27.06. 9 km
Juli:
05.07. 6 km
08.07. 10 km
10.07. 10 km
12.07. 10 km
19.07. 10 km
23.07. 10 km
27.07. 10 km
28.07. 12,5 km
29.07. 5 km
August:
02.08. 10,8 km
12.08. 10 km
13.08. 5 km
15.08. 5 km
16.08. 10 km
18.08. 10 km
30.08. 10 km

Ein einigermaßen erfahrener Läufer erkennt sehr schnell, dass diese geringen Trainings auf kurze Distanzen eher nicht tauglich sind um schneller über den Berg zu kommen. Umso mehr verließ mich auch die Kraft zum Ende des Laufes. Besonders die letzten drei Kilometer zeigten mir deutlich, wie gut oder schlecht ich drauf war. Puls auf 170 und dann das letzte an Kraft noch einmal rauspressen. So auch diesmal. Mit einem solchen Puls habe ich sonst eine Pace von 4, diesmal lag sie bei fast 5. Mehr ging einfach nicht. Als ich dann die Ziellinie sah, war ich mit der Kraft völlig am Ende und es war tatsächlich eine Punktlandung, denn einen weiteren Kilometer hätte ich so nicht durchgehalten.

Etwa 2 Minuten nach dem Zieleinlauf noch durchtränkt mit Adrenalin

Aber: Mit Freude und einem Lächeln bin ich angekommen. Mir gefällt es ja, bis zur letzten Energiereserve alles zu nutzen was möglich ist. Das ist mir diesmal auch absolut gelungen. Ich habe mir noch etwas zu trinken geholt, spürte jedoch, dass der Körper wirklich down war und setzte mich noch kurz und erholte mich. Da erblickte mich noch Torsten S., der wie ich begeisterter Brockenläufer ist. (Wenn du das liest, kannst du mir gern mal das Bild zusenden, welches du gemacht hast. Ich hatte zu dem Zeitpunkt gar keine Kraft mehr.)

Es war dann auch das erste Mal, dass ich direkt den Platz verlassen hatte und nicht bis zum Ende der Siegerehrung geblieben bin. Das zeigt, wie fertig ich diesmal war. Ich fand das echt schade, wäre gern noch für das ein oder andere Treffen geblieben.

Insgesamt war es mir wie immer eine Freude auf diesem gut organisierten Wettkampf teilnehmen zu können. Einen Gruß an den Brockenlaufverein und vor allem Martin D.: immer wieder schön, dich jetzt als Streckenposten/Fotografen zu sehen.

Nach dem Tag hatte ich vier Tage erstklassigen Muskelkater. Das ist genau so herrlich wie der Lauf oder Kampf an sich. Mal sehen, ob ich mal wieder besser in der Vorbereitung bin, aber selbst wenn ich optimal vorbereitet bin, beim Brockenlauf am Limit habe ich immer vier Tage diesen schönen Schmerz danach!

Sportliche Grüße
Alex

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