Brockenmarathon 2019

Der Berg rief; ganz laut und deutlich! So höre ich es immer, wenn ich nur in der Nähe des Brocken und damit im Harzgebiet bin. In diesem Jahr hatte ich wieder einmal das Glück, dass ich den Brockenlauf und auch den Harz-Gebirgslauf erleben durfte.

Wie auch schon beim Brockenlauf und beim Marathon in Karlsruhe hab ich mich nicht wirklich auf diesen Lauf vorbereitet. Es ist genau genommen schon fast ein wenig verantwortungslos seinen Körper mit so wenigen Trainingskilometern auf eine solche Reise zu schicken. Aber ich dachte mir: Wird schon laufen!

Zwar hatte ich mir vorgenommen, sollte ich noch einmal hier laufen, die Zielzeit unter vier Stunden zu erreichen, aber soweit bin ich dann doch realistisch, dass das nicht funktionieren konnte. Im Jahr der Rekorde, nämlich 2017, als ich diesen Marathon als letzten von fünf lief, war ich etwas besser aufgestellt und auch leichter. Wie sollte man dann in diesem Zustand tatsächlich eine schnellere Zeit laufen können?

Genau mit diesem Gedanken wollte ich diesen Lauf genießen. Ein Lauf am Limit mit den mir zur Verfügung stehenden Kräfte an diesem Tag. Mir war klar, dass ich schon während des Laufes die Erschöpfung spüren würde, vor allem in der zweiten Hälfte bergab.
Und plötzlich fiel es mir wieder ein: Das war wirklich hart damals!

Mit einem ausreichenden Zeitpuffer bewegte ich mich also am 12. Oktober nach Wernigerode und holte meine Startunterlagen ab. Noch war es etwas frisch und ich wartete lange, bis ich meine Rennklamotten anzog und meine Tasche abgab. Dennoch verging die Zeit bis zum Start um 9 Uhr ziemlich schnell und zack – da stand ich nun; bereit mich auf diese anspruchsvolle Strecke zu begeben.

Nachdem ich über die Linie rannte passte ich mich erstmal dem Läuferfeld an. Überholen kostet auf den ersten Kilometern einfach zu viel Kraft. Später würde es noch genug Zeit geben zum Davonrennen, wenn noch genug Kraft vorhanden ist. Ich blieb erstmal im mittleren Level meiner Kräfte, denn den Lauf wollte ich mir gut einteilen. Vor allem auf den letzten 10 Kilometern zeigt sich meist, ob man davor nicht doch zu schnell war. Ich hatte mich unter Kontrolle, wollte aber trotzdem wissen, wie schnell ich auf den Gipfel gelangen könnte. Somit versuchte ich möglichst gediegen die etwa acht Kilometer nach Ilsenburg zu gelangen, um dann den mir bestens bekannten Teil der Brockenlaufstrecke etwas schneller zu laufen. Für die folgenden etwa 11 Kilometer brauchte ich knapp 1:27 Std., wobei ich hier öfter gehenden Schrittes unterwegs war um Kraft für den zweiten Teil zu sparen. Gerade der Hirtenstieg zieht hier viel Energie aus den Beinen und der Gedanke, man rennt nach dem Gipfel beinahe 23 Kilometer nur noch bergab, macht es nicht grad leichter – aber dafür spannend.
Das Wetter wurde weiter oben zunehmend schlechter und kurz nach dem Erreichen der 1000 Höhenmeter hätte man eigentlich den Gipfel bereits sehen können. Diesmal war allerdings alles im Nebel verhüllt, sodass einem die schöne Aussicht etwas genommen wurde. Zusätzlich gab es einen kühlen Wind von der Seite, der aber wohl nicht so schlimm war wie vorausgesagt. Für mich fühlte sich das eher an wie eine starke Brise, nicht aber wie orkanartige Böen. Ich war jedoch froh, dass schon weiter unten die Windbreaker verteilt wurden, sonst wäre ich auf dem langsamen Stück des Hirtenstieg bis auf den Gipfel wohl komplett ausgekühlt.

Auch wenn das wirklich hart war nach 19 Kilometern den Brockengipfel zu erreichen, so hab ich das dennoch genossen. So sehr man sich auch quält, so schön ist der Moment wenn man ins Ziel rennt.
Am Brockenstein vorbeigerannt und die Uhr zeigte die Gipfelzeit, die knapp sechs Minuten hinter der Zeit aus 2017 war.

Aufgrund der körperlichen Verfassung zu diesem Zeitpunkt überlegte ich kurz, wie denn wohl der zweiten Teil des Wettkampfes verlaufen könnte. Ich wollte mal schauen, wie schnell mich die Beine bergab noch verkraften. Aber schon auf Höhe der Knochenbrecherkurve (der Name sagt schon alles) war mir klar, dass das Risiko einer zu hoch gewählten Geschwindigkeit durchaus hoch war. So drosselte ich meine Pace auf etwa 5, damit später auf keinen Fall ein Einbruch das Resultat sein würde. Denn wenn ich eines nicht erleben möchte, dann sind es Krämpfe. Später sah man immer mal wieder den ein oder anderen am Streckenrand mit schmerzverzogenem Gesicht.

Desto weiter es wieder nach unten ging, umso wärmer wurde es wieder. Sehr angenehm war das und so war es ein richtiger Laufgenuss. Nach 3:07 Std. erreichte ich den 30. Kilometer und war zwar nicht mehr ganz so fit, fand aber, dass ich genau so schnell weiterlaufen kann. Es ist anstrengend so lange bergab zu laufen, aber für mich doch irgendwie angenehmer als geradeaus, zumal man nur noch im Wald unterwegs war und die Strecke landschaftlich einfach toll ist. Ich bin mir jedoch auch sicher, dass das nur so schön sein kann, wenn man sich nicht im Kampf mit seinem Körper befindet.

Etwa beim 32. und beim 36. Kilometer kommen dann noch einmal zwei fiese Hügel, die jeweils etwa einen Kilometer lang sind. Die sind wirklich bitter wenn man sich so im angenehmen Bergabmodus befindet. Den 40. Kilometer zeigte die Uhr mit 4:08 Std. an. Und weil ich mich noch so gut fühlte, war jetzt der Moment es nochmal brennen zu lassen. So donnerte ich den letzten Kilometer mit Pace 4 die leicht abschüssige Strecke hinab. Das hat mir richtig Spaß gemacht und das zeigte auch, dass die Krafteinteilung passend war. Der Zieleinlauf war herrlich und jeder wurde hier feierlich empfangen.

Nach dem Empfang der Medaille schütte ich mir erstmal einige Becher Flüssigkeit rein und bewegte mich schnell zur abgegebenen Tasche zurück, denn dort warteten zwei extrem kalorienreiche Energiebomben auf den Verzehr. Die brauchte ich dringend bei meinem Kalorienverbrauch.

Anschließend blieb ich noch etwas auf dem Gelände und konnte ein paar witzige und auch interessante Gespräche führen.

Das war mein 10. Marathon ich finde es schön, dass es genau dieser Harz-Gebirgslauf war! Norddeutschlands schwerster Marathon eben – ich mag sowas. 🙂
Diesmal sollte es mit einer Zielzeit von 4:19:16 Std. Platz 210 von 778 sein. Wieviele nicht angekommen oder gar nicht erst gestartet sind, weiß ich nicht. 2017 erreichte ich Platz 195 von 925.

Organisatorisch insgesamt toll gemacht und die Verpflegungsstellen waren super. Ich kenne bislang nur diesen Lauf bei dem es Malzbier gibt! Und wenn man so ausgetrocknet an die letzten Verpflegungsstellen läuft und dann einen Becher davon trinken kann, dann ist das einfach nur lecker. An einem Stand fragte man mich, was ich gerne haben möchte. Ich antwortete “Whiskey!”. Mir wurde dann gesagt, dass es den im Ziel geben würde. Ja, ganz richtig, nach einem solchen Lauf gibt’s bei mir immer einen Whiskey. 🙂

Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern meinen Glückwunsch zum Finishen des Harz-Gebirgslauf – egal auf welcher Strecke!

Sportliche Grüße
Alex

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2 Gedanken zu „Brockenmarathon 2019

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