Brockenmarathon 2017

Es war so schön, dass ich bei dem 40. Harz-Gebirgslauf dabei sein konnte! Ein Marathon absolut nach meinem Geschmack.

Schon lange schwirrte mir dieser Lauf im Kopf rum. Verantwortlich dafür war jedes Jahr der Brockenlauf, da sich im Beutelchen mit den Startunterlagen auch immer der Flyer des Harz-Gebirgslauf befand. Der Brockenmarathon reizte mich somit fast fünf Jahren schon, doch diese zwei Läufe hängen so dicht beieinander, sodass ich mich eher für den Brockenlauf entschied. Wegen dem Laufen an sich ist das kein Problem, aber die Entfernung von knapp 600 Kilometern vom Wohnort. 🙂

In diesem Jahr sollte es aber zeitlich doch klappen, da ich beruflich nach Lübeck durfte und genau am darauf folgenden Wochenende der Brockenmarathon stattfand. So konnte ich das ganz hervorragend miteinander verbinden und konnte mich darauf freuen.

Eine besondere Vorbereitung hatte ich nicht. Das war aber auch gar nicht möglich, denn die vergangenen Wochen war so von Wettkämpfen geprägt, dass an ein zusätzliches Training gar nicht zu denken war. Ich dachte mir aber, dass ich vom Brockenlauf noch genug Power haben müsste um den Berg hoch zu kommen. Ich könnte es auch anders ausdrücken: Selbst nach einer fünf wöchigen Pause wäre ich den Berg hoch gekommen. Denn eine optimale Vorbereitung habe ich sowieso selten, da ich viel zu gern außer der Reihe etwas mache und das einfach nicht in einen „geregelten“ Plan passt. Weltbestzeiten werde ich auch nicht erreichen, daher kommt es da auf ein paar Minuten nicht an. Zwar hole ich gern das Maximum aus meinem Körper raus, aber dafür brauche ich keinen Plan. Das einzige, worauf ich achte, sind die Regenerationszeiten. Die sind mir wichtig, damit ich mich nicht überlaste oder gar schädige.

Jetzt könnte man natürlich sagen, dass ich zu viele Wettkämpfe in den letzten Wochen gelaufen bin. Stimmt! Es waren tatsächlich etwas viele zu dicht aufeinander folgend. Da hatte es mich selbst schon gewundert, dass ich trotzdem alle Bestzeiten knacken konnte. Der einzige Lauf, den ich wirklich ausgeruht und entspannt angetreten war, war der Brockenlauf. Eine Woche danach folgte schon der Schinkenlauf, während zwei Wochen danach schon der Berlin Marathon auf dem Plan stand. Eine Woche später stand der Halbmarathon in Bräunlingen im Kalender. Nur 6 Tage drauf kam dann dieser Marathon. Ihr merkt vielleicht, in welchem “Stress” ich mich befand. 🙂

Eine Herausforderung der besonderen Art sollte dieser Marathon werden. Nicht nur die Distanz ist schon eine, sondern vor allem die zu überwindenden Höhenmeter.

Am Vortag schaufelte ich mir wie üblich meine Nudeln rein und legte mir die Strecke zurecht. Anders gesagt, ich rechnete mir meine ungefähre Zielzeit aus und schätzte anhand der Höhenmeter ab, wie schnell ich auf bestimmten Teilstücken laufen kann. Das günstige daran war, dass von Ilsenburg aus für etwa 12 Kilometer auf der Strecke des Brockenlaufes bis über den Brocken gelaufen wird, sodass ich ungefähr wusste, wie schnell ich sein würde. Meine errechnete Zeit lag am Ende bei knapp 4 Stunden.

Aufgeregt war ich bis zum Wettkampftag überhaupt nicht. Erst beim Frühstück tauchte so langsam ein Gefühl der Vorfreude auf. Ihr kennt diese Aufgeregtheit bestimmt auch. Das kam vor allem daher, weil mit die Strecke weitgehend unbekannt war und vor allen Dingen ging es über den Brocken mit 42 Kilometern… und ich weiß wirklich gut, wie sich dieser Berg anfühlt! 🙂

In Wernigerode konnte ich einen günstigen Parkplatz ergattern und hatte es damit auch nicht ganz so weit bis zur Himmelpforte (Startbereich). Die Startnummer war schnell geholt und dann hieß es warten bis zum Start. Jetzt könnte ich noch erwähnen, dass Thomas, den ich beim vorletzten Brockenlauf zum ersten Mal traf, auch dabei war. Wir hatten uns noch vor dem Start dazu entschlossen, gemeinsam diesen Marathon zu erleben.

In der Startaufstellung standen wir etwa in der Mitte von insgesamt 1000 Läuferinnen und Läufern, was sich kurze Zeit später als eher ungünstig herausgestellt hatte. Wir wussten nicht, wie die Strecke verläuft, aber hätten wir es gewusst, wären wir weiter nach vorn gegangen. Kurz nach dem Start steckten wir fest, weil sich die Strecke auf einen Waldweg verlagerte, der nicht so breit war. Hier war ein Überholten nur schwer möglich und wenn doch, dann war es ziemlich gefährlich, denn andere wollten wir auch nicht gefährden. Dazu kam noch, dass solche Überholvorgänge viel Kraft kosten, was auf dem ersten Teilstück eines Marathon eher ungünstig ist.

Dadurch, dass wir auf dem ersten Kilometer mit einer Pace zwischen 6 und 7 unterwegs waren, konnten wir etwas später schneller laufen. Teilweise jedoch so schnell, dass wir immer wieder verlangsamten. Manchmal verleitete die Strecke aber auch zum Gas geben. 🙂
Aber den Abschnitt bis nach Ilsenburg hatte ich mir dennoch etwas leichter vorgestellt.

Die nächsten 10 Kilometer bis zum Brockengipfel fühlten sich schwerer an als beim Brockenlauf. Natürlich, denn wir hatten schon ein paar Kilometer mehr in den Beinen.
Ich war mir auch vor dem Lauf nicht ganz sicher was schwerer sein würde: diese 10 Kilometer den Berg hoch oder die restlichen 23 runter. 🙂

Der Weg zum Gipfel war anstrengend, keine Frage – aber so hatten wir es auch erwartet. Zudem wurde es immer kälter, sodass wir beim eisernen Tisch auch die Tüte für den Oberkörper gern annahmen. Meine Tüte hatte allerdings ein fehlendes Loch für einen Arm, sodass ich da erstmal nacharbeiten musste. 🙂

Die Steigung des Hirtenstiegs war natürlich schön wie immer. Im zügigen Gehschritt bis zum Gipfel, auch wenn wir ab und zu laufend unterwegs waren. Im Hinterkopf war der Rest der Strecke, die ja noch bewältigt werden musste. Zu viel Kraft sollte also nicht verbraucht werden, sonst würde es am Ende vielleicht unangenehm werden. Man durfte einfach nicht vergessen, dass die Marathondistanz zu laufen war. Die Strecke sorgte jedoch dafür, dass ich genau diese Tatsache schnell vergessen konnte. Es ist einfach eine tolle Strecke!

Die Sicht wurde weiter oben zunehmend schlechter und es wurde richtig kalt. Ich war froh, die Tüte genommen zu haben, sonst wäre ich ganz schön ausgekühlt. Über den Gipfel sind wir durch die Wolken gelaufen. 🙂

Danach hieß es „nur noch bergab“… und der “Sommer” und kam langsam zurück. Desto weiter wir wieder runter liefen, um so wärmer wurde es. Am eisernen Handweiser vorbei und ein paar Meter später verließen wir die Teerstraße in den Wald hinein auf Wanderwege. Teilweise recht schwierig zu laufen, zumal mit zunehmender Zeit zumindest meine Konzentration immer weiter nachließ. Dennoch waren wir mit einer 4:30er Pace unterwegs.

Beim 30. Kilometer hatten wir 2:29:30 Std. auf der Uhr stehen. Da hatte ich noch im Kopf, dass wir genau nach 4 Stunden ins Ziel laufen würden.
Die Verpflegungsstationen kamen jetzt immer öfter in kürzeren Abständen und was echt am schönsten war: es gab Malzbier! 😀
Davon hatte ich mir auch immer etwas gegönnt. Zudem waren die Stationen echt super bestückt mit Bananen, etlichen verschiedenen Getränken und die Damen und Herren waren klasse drauf!

Ein großes Lob an alle Verpflegungsposten an dieser Stelle, ihr wart spitze! Das Bild oben zeigt eine der kleinere Station zum Ende des Laufes, die wir nach 3:49 Std. erreichten.

Zugegeben, die 4-Stunden-Marke hätten wir auch gehalten, wenn da nicht zu Schluss noch diese „Hügelchen“ aufgetaucht wären. Zwar hatte ich mir das Profil ja angeschaut, aber dass diese Anstiege nochmal so reinknallen würden, hätte ich nicht gedacht.
Ok, es waren schon einige Kilometer gelaufen, da lässt wohl auch die Kraft langsam nach, denn davon hatte ich irgendwie nicht mehr so viel. 🙂

So kam es, dass wir an einigen Stellen doch wieder gegangen sind. Das war vielleicht nicht unbedingt nötig, aber es schonte uns etwas. Wir hatten unseren Spaß!Nun kam es zum Endspurt. Noch zwar Kilometer trennten uns von der Ziellinie. Da wurden wir wieder schneller und erreichten die 4:30er Pace, wobei wir ganz am Ende auf 300 Metern noch Pace 4 hinlegen konnten! Da war also doch noch etwas Kraft vorhanden. 🙂

Der Zieleinlauf war super! Nachdem wir die Zielgerade mit den anfeuernden Zuschauern grinsend passiert hatten, konnten wir mit einem noch breiteren Grinsen über die Ziellinie laufen. Das hat richtig Spaß gemacht!

Wir nahmen die Marathonmedaille in Empfang und verließen den Bereich um uns etwas zu Trinken zu holen. Es war geschafft: der Brockenmarathon! Was für ein schöner Marathon!

Für mich eindeutig der schönste und schwerste Marathon, was man an der Zielzeit auch erkennen kann! Am Limit war das nicht ganz, der Pulsdurchschnitt lag 7 Schläge unter dem vom Marathon in Berlin, und das obwohl es hier um einiges wärmer war.

Nach dem Umziehen verweilten wir noch eine Zeit lang auf dem Festgelände, aßen Kartoffeleintopf und machten uns anschließend auf den Heimweg.

Es hatte sich ganz klar gelohnt und ich bin mir sicher, dass ich diesen Marathon irgendwann noch einmal laufen werde! Die Organisation war klasse und soweit ich das beurteilen kann, hatte wohl auch alles geklappt.

Dieser Lauf war mein 60. Wettkampf seit 2013. Ich erreichte Platz 182 von 1001 (925 Finisher, 760 Männer, 165 Frauen) und Platz 33 von 101 in der AK40.

Meine Polar V800 hatte mir erstmalig auf der Marathondistanz auch 42,19 km angezeigt. Eine so hohe Genauigkeit hatte ich bisher noch nicht.
Aufgeteilt in 19,29 km bergauf in 2:08:11 Std. und 23,08 km bergab in 1:57:42 Std.
Insgesamt lag meine Durchschnittspace bei 5:50 min/km, ich durchlebte 1155 Meter Aufstieg und verbrannte 5200 kcal.

Sportliche Grüße
Alex

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