Brockenlauf 2017

Auch nach meiner 5. Teilnahme beim Brockenlauf hat dieser Wettkampf nicht an Reiz verloren! Im Gegenteil: die Macht des Berges wird immer stärker!

Dieses Jahr lief alles etwas anders als sonst. Während ich zuvor meine Trainings immer speziell auf den Brockenlauf auslegte, lag der Fokus diesmal eher auf der Marathondistanz. Trotzdem war ich fast immer auf hügeligem Terrain unterwegs, damit die Beine das Höhenprofil des Brockens auch gut verkraften würden. Das heimliche Ziel war natürlich meine Bestzeit von 2015 zu schlagen. Der Lauf 2016 war nicht vergleichbar, da die Strecke leicht geändert gelaufen werden musste. Stichwort: Bremer Weg.

Insgesamt war ich ganz gut vorbereitet, fand ich. Bei allen Wettkämpfen, die ich in diesem Jahr lief, konnte ich meine Bestzeiten verbessern. Warum sollte das also nicht auch beim Brockenlauf klappen?

Meine Trainings insgesamt waren eher gering, denn der Fehmarn Marathon forderte mir vermutlich so viel ab, dass ich danach etwa einen Monat brauchte, bis ich wieder einigermaßen auf meinem gewohnten Level trainieren konnte. Dadurch begannen die längeren Läufe auch erst Mitte Juli, was ich etwas spät fand. Aufgrund des jahrelangen Laufens konnte ich aber recht schnell auf die für mich erforderlichen Strecken von 20-30 Kilometern einsteigen. Und dabei zog ich beinahe nur Läufe mit längeren Distanzen durch. Für den Brockenlauf wäre das so gar nicht erforderlich gewesen, aber ich hatte ja noch den Berlin Marathon im Kopf, der drei Wochen nach dem Brockenlauf stattfindet. Zudem dachte ich mir, dass die langen Strecken sicher kein Nachteil sein würden.

Im August absolvierte ich daher nur 10 Lauftrainings und war im Durchschnitt pro Einheit 20 Kilometer unterwegs. Dazu noch 6 Einheiten mit dem Fahrrad, die meistens sehr intensiv waren, damit die Oberschenkel auch etwas davon hatten.

Die Woche vor dem Wettkampf war dann ganz im Zeichen der Erholung. Erst am Freitag begab ich mich auf ein kleines Warmup mit 5,5 Kilometern um zu schauen ob der Körper funktioniert. Zwei Tage lang nutzte ich natürlich um mich ausreichend mit Kohlenhydraten vollzustopfen. Das tat ich auch und vernichtete jeweils 2000 Kalorien allein an den beiden Vorabenden. Ob das sinnvoll ist oder nicht… was weiß ich. 🙂 Aber ich mache das schon länger so und erst, wenn es mal nicht mehr bergauf geht, werde ich etwas ändern.

Der Wettkampftag startete wie gewohnt: Nach dem Frühstück ging es um 8 Uhr nach Ilsenburg.

In Ilsenburg angekommen, war der Marktplatz schon gut gefüllt. Schon auf dem Parkplatz und auch später im Getümmel sah ich Thomas B. wieder, den ich letztes Jahr kennen gelernt hatte. Immer wieder schön, wenn man nette Läuferbekanntschaften wieder trifft.

Ganz wie gewohnt, gab es wieder ein groß angelegtes Buffet aus Früchten und Getränken, sodass man sich schon vor dem Lauf mit ein paar Kalorien versorgen konnte. Ich griff zu einer Banane, weil ich dadurch irgendwie immer beruhigter an den Start gehen kann. Für das Rennen hatte ich mir vier Gelpackungen in den Klamotten verstaut, denn ohne ausreichend Kalorien im Gepäck fühle ich mich nicht so wohl.

Die Zeit bis zum Start verging diesmal sehr schnell und ich verpasste fast mein kleines Aufwärmprogramm, welches ich aber nach gefühlten 300 Metern schon wieder beendete. Ich war viel zu spät dran und wollte doch auch mal etwas weiter vorn in der Startaufstellung stehen und nicht immer ganz hinten. Natürlich war es zu spät und ich stand kurz danach wieder ganz hinten. Das hat ja manchmal auch Vorteile, diesmal kam ich nach dem Startschuss aber gar nicht von der Stelle und es dauerte 40 Sekunden, bis ich die Startlinie überschritten hatte. Da mir das aber bislang jedes Jahr so ging, war es nicht weiter schlimm. 🙂

Wie wollte ich den Lauf angehen? Nun, um meine Bestzeit zu knacken, analysierte ich den Lauf von 2015 und hatte gewisse Zwischenzeiten im Kopf. Über die Bergabstrecke machte ich mir nicht so die Gedanken, nur bergauf ist das immer wieder ein besonderes Highlight. Speziell der letzte Abschnitt vor dem Gipfel, der mir auf den drei Kilometern den Puls im Gehen an die Grenze treibt. Hier die Einteilung so passend zu erwischen, dass es bergab von der Kraft auch noch ausreicht, ist gar nicht so einfach. Aber ich wollte auf jeden Fall eher oben sein als 2015!

Meinen Puls und meine Pace hatte ich genau unter Beobachtung. Es musste einfach passen. Und das tat es auch, denn die ersten 5 Kilometer konnte ich mit einer Pace von 5:36 min/km laufen und dabei die ersten 215 Höhenmeter hinter mir lassen – das ganze im unteren Wettkampfpuls. Die nächsten 4 Kilometer bis zum Hirtenstieg sahen schon anders aus. Hier mussten 265 Höhenmeter überwunden werden, da stieg mein Puls auch noch um 3 Schläge im Durchschnitt an und die Pace sank auf 6:24 min/km.
Die letzten 3 Kilometer vor dem Gipfel; die beliebte Oberschenkel-Killer-Strecke: auf diesem Teilstück müssen etwa 410 Höhenmeter überwunden werden. Hier riskierte ich wieder ein etwas längeres Stückchen zu laufen, wechselte dann aber nach weniger als 100 Metern in einen schnellen Gehschritt. Es wird somit noch etwas dauern, bis ich hier mal etwas länger durchhalten kann. 🙂

Jedes Jahr konnte ich meinen Gipfelsturm verbessern. Als ich 2013 startete, brauchte ich noch 1:39:48 Std. vom Start bis zum höchsten Punkt. Diesmal konnte ich den Felsen bereits nach 1:20:24 Std. umlaufen.

2013: 1:39:48 Std./ 2014: 1:30:52 Std./ 2015: 1:25:06 Std./ 2017: 1:20:24 Std.

Für diejenigen, die diesen Lauf nicht so gut kennen noch ein paar Infos:
Der erste Teil besteht aus etwa 12 Kilometern mit 890 zu überwundenen Höhenmetern. Die Beine bekommen tatsächlich keine Erholung, da es stetig bergauf geht. Nur bei der Stempelstelle „Gelber Brink“ hat man das Gefühl, als würde man mal für ein paar hundert Metern bergab laufen. Soweit ich es meiner Auswertung entnehmen kann, geht es jedoch auch dort nicht bergab. Bei den Jahreszahlen habe ich übrigens bewusst das Jahr 2016 weggelassen, da hier auf der Gipfelstrecke der Bremer Weg gelaufen werden musste, was etwas mehr Zeit kostete. Hier konnte ich den Gipfel trotzdem in 1:25:49 Std. erreichen.

Nachdem ich also über die Kuppe lief, mir die Brockenhexe eins auf den Hintern gab um mich damit wieder vom Brocken zu scheuchen, konnte ich nun bergab wieder alles geben. 🙂

Ich flog die 890 Höhenmeter bergab… 14,2 Kilometer in 57:25 Min, was einer Pace von 4:03 min/km entspricht. Bis zum 20. Kilometer war ich fast nur mit dem Abbremsen meiner Geschwindigkeit beschäftigt. Meine Pace lag auf bestimmten Abschnitten weit unter Pace 4. Der langsamste Kilometer war der 15. mit einer Pace von 4:16 min/km. Ganz ehrlich, das war für mich schon ganz hart am Limit, aber irgendwie ist das ja öfter bei mir so. 😀

Wie auch schon 2016 schoss ich ein Bild von meiner Uhr beim 20. Kilometer. Ich freute mich sehr über diese Zeit und es war mir klar, dass ich meinen Rekord weit unterbieten würde. Das hört sich vielleicht etwas überheblich an, aber ich war so gut drauf, dass mir die letzten sechs Kilometer nichts mehr anhaben konnten.

Zwar stieg der Puls nach dem 23. Kilometer wieder stetig an, aber nach dieser Strecke darf er das auch. Reserven hatte ich fast keine mehr, auch wenn ich noch drei Läufer überholte und sie mich gnadenlos verfolgten. Ich drehte mich nicht um, hörte jedoch die Schritte dicht hinter mir – zumindest von einem. Einer von ihnen hätte mich vor der Ziellinie fast noch erwischt, obwohl ich auf diesen letzten 250 Metern immer noch Pace 4 auf dem Tacho hatte. 🙂

Nach dem Überqueren der Ziellinie brauchte ich ein paar Minuten bis ich wieder ruhig atmen konnte. Diesmal futterte ich auch sofort einige Kohlenhydrate, damit ich nicht wieder auf der Straße liegen würde.

Soweit zu meinem 5. Brockenlauf, den ich sehr genossen habe! Wie immer ein herausragendes Erlebnis und es ist und bleibt mein Lieblingslauf! Kein anderer Lauf fesselt mich so wie dieser. Seitdem ich dabei bin, passt hier einfach alles!
Mein Ziel hatte ich erreicht, was mich echt freut. Gerade im Hinblick auf den Berlin Marathon 2017 stimmt mich das ziemlich positiv.

Ein besonderer Gruß geht an dieser Stelle an Martin Dähnn, dem Organisationsleiter des Brockenlaufes. Aber auch alle anderen des Brockenlaufvereins haben wieder erstklassige Arbeit geleistet und vor allem die Strecken-/Verpflegungsposten müssen hier lobend erwähnt werden. Solch eine Freundlichkeit ist wirklich toll!

Nachdem die Siegerehrung vorbei war und ich bei der anschließenden Tombola nicht gezogen wurde, vernichtete ich am Abend wie immer mehrere Gänge mit knapp 3000 kcal in Form von Fast Food… sowas gönn‘ ich mir einfach!

Wer den Brockenlauf noch nicht erlebt hat, kann sich auf www.brockenlauf.de näher informieren. Wer den Lauf kennt, wird bestimmt noch besser nachvollziehen können, was ich mit meinen Worten beschrieben habe.

Sportliche Grüße und bis zum Brockenlauf 2018
Alex

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